In Österreich wird das Staatsoberhaupt vom Volk gewählt, von dem bekanntlich alle Macht ausgeht. Damit dem Volk aber die Macht nicht ganz ausgeht, fordern immer mehr leichtsinnige Gesellen, ebendieses Volk solle künftig über jeden Tinnef abstimmen.

Etwa darüber, ob es mit all den oberlehrerhaften Staatsorganen noch einverstanden ist. Lächerlich. Natürlich findet der Bundespräsident solch kindliche Ideen wenig originell. Das politische Geschäft ist schließlich keine Grabbelstube. Seine väterlichen Argumente sind einleuchtend.

Entscheidungen an den angeblichen Souverän wieder zurückzuverweisen, das wäre schon wegen der vielen viel zu komplizierten Problemstellungen, die zu verstehen man ja ein doppeltes Hochschulstudium benötigte, brandgefährlich. Es werden ja auch keine Stubenhocker für das Fußballnationalteam nominiert (obwohl?).

Den Bundespräsidenten zu wählen scheint das Volk hingegen nicht zu überfordern, das kann jeder Schulabbrecher. Logisch, denn bei dieser Wahl bleiben die Machtlosen gewissermaßen unter sich. Wenn es aber wirklich um entscheidende Fragen geht, sollte nicht gewählt werden.

Plebiszitäre Romantik schön und gut, aber Wahlen tragen eben immer das große Manko der Unberechenbarkeit mit sich. Damit sollte endlich Schluss sein. Direkte Demokratie ja, aber mit programmiertem Ergebnis. Wie beim Freistilringen: Ein wenig Trara für die Masse, doch der Ausgang des Spektakels ist zuvor ausgemacht.

Auch Wahlen ohne Wahlmöglichkeit wären ein interessanter Versuch. Nur ein Kandidat, das ist demokratisch und sicher zugleich und erleichtert zudem die Entscheidung. Bei der vergangenen Präsidentschaftswahl kam man diesem Idealzustand ja bereits ziemlich nahe. Mehr Volksbefragungen könnte es durchaus geben. Warum nicht, Fragen kostet ja nichts. Aber es müssten Fragen sein, die nur eine Antwort zulassen.

Alles andere, da hat der Bundespräsident ganz recht, widerspräche dem österreichischen Staatsinteresse.