DIE ZEIT: Warum braucht es eine Jobbörse für Muslime?

Ramzi Brini: Als ich auf Arbeitssuche war, habe ich bemerkt, dass es wenige Jobs speziell für Muslime gibt und dass das Arbeitsamt eine solche gezielte Vermittlung nicht anbietet. So kam ich auf die Idee mit dem Onlineportal für islamspezifische Arbeit, die ein bestimmtes Wissen voraussetzt. Das betreibe ich neben meiner Arbeit als Informatiker

ZEIT: Erzeugt der Name Muslimjobs.de nicht eine künstliche Trennung zwischen Muslimen und Nichtmuslimen?

Brini: Der Titel ist nicht als Diskriminierung oder Ausgrenzung anderer Gruppen gedacht. Ganz im Gegenteil: Die Website soll sich ja in erster Linie an Muslime richten, welche mit Ausgrenzungen und Problemen auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen haben. Deswegen habe ich sie auch eine Jobbörse für Muslime und Freunde genannt: Da ist die Moschee-Gemeinde, die einen Imam sucht. Oder der Kindergarten, der muslimische Erzieher einstellen möchte. Wir hatten aber auch mal das Jobangebot einer deutschen Schule in Kairo. Die suchte einen Lehrer, der Deutsch sprechen kann und zugleich mit der ägyptischen Kultur vertraut ist.

ZEIT: Haben Sie keine Angst vor Missbrauch der Website?

Brini: Nein. Man stellt seine Anzeige ein, ich überprüfe sie auf Seriosität, und erst dann aktiviere ich sie. Ich bin allerdings dagegen, vollständige Namen, E-Mail-Adressen oder Telefonnummern zu veröffentlichen. Das ist Futter für Menschen, die spammen oder belästigen wollen. Gerade bastele ich an einer Art Lebenslauf-Funktion und will auch eine Feedback-Funktion installieren, um bessere Resonanz auf meine Website zu bekommen.

ZEIT: Wie ist die bislang?

Brini: 2011 hatte ich im Durchschnitt 700 Besucher pro Monat. Anfang 2012 hat sich die Zahl auf 1.300 Besucher gesteigert. Pro Woche kommen ungefähr vier bis fünf Anfragen rein.

ZEIT: Welche Art von Job suchen die Inserenten?

Brini: Die Suchanfragen zeigen ein klares Muster. Viele suchen einen Job, bei dem sie das Kopftuch tragen oder die Gebetszeiten einhalten können und beispielsweise zum Freitagsgebet in die Moschee gehen dürfen.

ZEIT: Geht das denn in Ihrem eigenen Job?

Brini: Dort kann ich meine Religion und den Job wunderbar miteinander vereinbaren . Zwar habe ich bei meiner Bewerbung nicht gefragt, ob ich beten darf. Aber wir haben einen Raum, wo das möglich ist. Während einige Kollegen mehrmals am Tag rauchen gehen, gehe ich eben beten. Muslime in anderen Berufen haben es sicher schwerer, weil sie viel Kundenkontakt oder keine geeigneten Räume haben oder es für ihre Arbeitgeber ein Problem ist.

ZEIT: Welches Projekt planen Sie als Nächstes?

Brini: Kürzlich habe ich eine Anfrage eines Interessierten aus der Schweiz bekommen, der mit mir eine Jobbörse für die Schweiz gründen wollte: muslim.ch. Die Seite ist inzwischen online.