Darf man das – zwei Filme ausschließlich über den Täter machen? Ihn immer wieder treffen, ihn im Gefängnis besuchen, mit ihm an die Tatorte gehen und den als Mörder Verurteilten einen Freund nennen? 35 Jahre lang ist Peter Fleischmann, der Regisseur, jenem Bernhard Kimmel, dem Kriminellen, mit der Kamera gefolgt. Beide sind fast gleich alt, beide in kleinen Dörfern in der Pfalz aufgewachsen. In den Fünfzigern las Fleischmann zum ersten Mal von Kimmel, der mit seiner Bande Tresore in Sparkassen und Kaufhäusern knackte. Dieser Bursche ließ ihn nicht los. Nach seiner ersten Haftstrafe trifft er ihn: Kimmel, 34, sieht aus wie ein Dandy, weißer Rollkragen, heller Anzug, Koteletten; er erzählt vom grausamen Knast, aber seine Stimme wirkt unbelastet. 14 Jahre später besucht der Regisseur den Gangster im Gefängnis – er hatte einen Polizisten erschossen. Kimmel ist rastlos, der Blick gehetzt, die Augen liegen tief. Ein dritter Besuch 2004, nach 22 Jahren Haft: Kimmel ist zerrissen von Schuld. 35 Jahre Täterperspektive in zwei Filmen, Mein Freund der Mörder (2006) und Al Capone von der Pfalz (1987). Darf man das? Ja, wenn man es macht wie Peter Fleischmann: mit schonungslosem, aber auch zutiefst menschlichem Blick.

"Mein Freund der Mörder & Al Capone von der Pfalz" von Peter Fleischmann (Studio 49)