Es gibt Dinge, die den Kolumnenkollegen Christian Tenbrock und mich bei allen Unterschieden doch einen. Zum Beispiel die deutsche Vermögensstatistik, in die wir beide Eingang finden, wenn auch ungefragt und wohl zu ungleichen Teilen. 4715 Milliarden Euro, so groß war das Geldvermögen der Deutschen Ende 2011 – sagt die Bundesbank. Um 149 Milliarden Euro haben die Deutschen ihr Finanzpolster im vergangenen Jahr erhöht. Ein kleiner Batzen davon gehört mir, ein sicher größerer Batzen dem Kollegen Tenbrock.

Die Deutschen, ein Volk glücklicher Anleger also? Weit gefehlt. Schaut man sich die Zahlen genauer an, zeigt sich, dass 2011 für viele Deutsche ein schlechtes Jahr war. Die Bundesbank weist darauf hin, dass dem Zufluss von 149 Milliarden Euro Bewertungsverluste von 92 Milliarden Euro gegenüberstehen, unter dem Strich also nur ein Plus von 57 Milliarden Euro zu notieren ist. Wer sich für die Verluste einzelner Vermögensklassen interessiert, muss selbst rechnen und Bestand und Zuflüsse zusammen betrachten. Beispiel Aktien: Ihr Bestand ist trotz Zuflüssen gesunken – wenn ich richtig rechne, ergeben sich Bewertungsverluste von mehr als 36 Milliarden Euro. Nicht viel besser sieht es bei Investmentzertifikaten aus: Zwar lassen Abflüsse das Minus beim Bestand in milderem Licht erscheinen, am Ende bleiben 26 Milliarden Euro Bewertungsverluste. Geldvernichtung in großem Stil nennt man das, glaube ich. Und das just in den Anlageklassen, die Kollege... ach, lassen wir das.

Natürlich lässt sich gegen derlei Zahlen vieles einwenden, der Einzelerfolg, die langfristige Perspektive, die globalen Schwernisse. Ist klar. Ist gut. Im Übrigen soll ruhig jeder spekulieren, wie er will, dagegen habe ich gar nichts – anders als mir hier jüngst unterstellt wurde. Ich glaube aber, dass die Analyse von Zahlen bei der Anlage hilft, ebenso wie Skepsis dem Glauben gegenüber, selbst den Markt schlagen zu können. Und ich glaube in der Tat, dass es für den Einzelnen – zumindest aktuell – weniger um Geldvermehrung geht, sondern vielmehr um den Erhalt des Bestehenden.