Ob die Gäste bei der Feier zur Amtseinführung von Barack Obama "Lang lebe der Präsident" riefen? Malmsey Rangaka weiß es nicht genau. Was für sie zählt und was sie mit Stolz erfüllt: In den Gläsern, mit denen man 2009 im Weißen Haus auf den ersten schwarzen Präsidenten der USA anstieß, war ihr Wein. Ein Sauvignon Blanc 2008, auf ihren Feldern gewachsen, von den Händen ihrer Familie geerntet,

M’hudi heißt es, das erste von Schwarzen gekauft Weingut. In der Sprache Setswana, die in Südafrika von sieben Prozent der Bevölkerung gesprochen wird, bedeutet das Erntehelfer. "Ein passender Name, aber nur Zufall", sagt Malmsey. Sie habe an den Titel ihres Lieblingsromans von Sol T. Plaatje gedacht, als sie ihr Weingut taufte. Das Buch erzählt von dem Mädchen M’hudi, deren Dorf im Krieg zerstört wird, die alles verliert, aber aufsteht und den Neuanfang wagt – mit Kampfgeist und Leidenschaft. "Sie nimmt ihr Leben in die Hand. Gegen alle Widerstände verfolgt sie ihre Träume", sagt Malmsey und blickt auf eine Flasche Rotwein in ihren Händen, auf dem Etikett die Gestalt einer aufrecht voranschreitenden Frau.

Eine Autostunde westlich von Kapstadt liegt die Farm, nahe Stellenbosch, im Herzen von Südafrikas größtem Weinanbaugebiet. Mehr als 560 Weinfarmen gibt es in einem Umkreis von 200 Kilometern. M’hudi ist die einzige unter ihnen, die zu 100 Prozent schwarzen Südafrikanern gehört. Landesweit werden nur etwa 30 der rund 4.600 Weingüter von schwarzen Farmern und Winzern bewirtschaftet.

Wenn sie an ihren ersten Schluck Rotwein denkt, schüttelt es sie

Dominiert wird das Geschäft – 19 Jahre nach Ende der Apartheid – von weißen, wohlhabenden Farmerfamilien, die teils auf eine jahrhundertealte Weintradition zurückblicken und von denen viele die Winzerei nur noch als zweites Standbein oder gar Hobby betreiben. Schwarze Südafrikaner, denen es ein Jahrhundert lang verboten war, Land zu besitzen und Farmen zu führen, wagen sich nur langsam, mit dem Aufstieg der schwarzen Mittelschicht, der "Black Diamonds", vor. Einem Großteil der schwarzen Bevölkerung fehlt es an Kapital und Erfahrung, um im Weinbusiness mitzumischen.

Als Malmsey und ihr Ehemann Diale Rangaka 2003 einer alten Dame das 43 Hektar große Weingut für umgerechnet 350.000 Euro abkauften, wussten auch sie nicht, worauf sie sich einließen. Welche Knochenarbeit ihnen der Traum vom eigenen Land, einer Farm, die sie ihren drei Kindern vererben könnten, abtrotzen würde. 22 Höfe sahen sich die beiden an auf ihrer Suche nach dem Glück. Darunter eine Fisch- und eine Rinderzucht. Nichts schien zu ihnen zu passen. Zu groß, zu klein, zu teuer. Diale wollte in den Bergen leben, Malmsey auf keinen Fall für den Rest ihres Lebens Fische ausnehmen. Als sie zu Besichtigung Nummer 22, der Weinfarm in Stellenbosch, aufbrachen, machten sie noch Witze – darüber, dass sie beide nichts von Wein verstanden, ja nicht einmal Wein getrunken hatten.

Noch heute schüttelt es Malmsey, wenn sie an ihren ersten Schluck Rotwein denkt. Ihr sei die Luft weggeblieben. Zu sauer, zu bitter. "Einfach ekelhaft, ich dachte, ich bekomme einen Asthmaanfall", erzählt sie und schüttet sich dabei aus vor Lachen. Heute – von einem Extrem ins andere – trinkt sie am liebsten Shiraz, einen Rotwein, der selbst vielen Weinliebhabern zu trocken, zu rauchig ist.

Damals, als sie Wein gekostet und ihre erste schlaflose Nacht auf der Farm verbracht hatte, fürchtete sie, mit dem Kauf einen Fehler gemacht zu haben. Fünf Jahre lang hatte das Gut zum Verkauf gestanden. Kein Weißer hatte es haben wollen – aus Angst vor Überfällen. Wenige Kilometer entfernt war eine Township entstanden, ein Armenviertel aus Wellblechhütten. Malmsey und Diale störte das nicht, sie selbst waren als Kinder einfacher Arbeiter in ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen.

Ihr gesamtes Erspartes, ihr Haus, sogar ihre Pensionsansprüche hatten sie der Bank überschrieben, um einen Kredit zu bekommen und die Farm zu kaufen. Einem Bauchgefühl folgend, hatten sie ihre Jobs als Professor für englische Literatur und als Psychologiedozentin an der Uni gekündigt. Sie ließen ihre Heimatstadt Mafikeng an der Grenze zu Botsuana hinter sich und zogen ans 1.500 Kilometer entfernte Kap der Guten Hoffnung.