Nicht nur die Erfüllung eines Traumes sei das gewesen, sagt die 55-Jährige, sondern auch die einer Pflicht. Nach der demokratischen Öffnung des Landes 1994 hatte die neue Regierung unter Nelson Mandela schwarze Südafrikaner aufgefordert, Land zu kaufen und wirtschaftlich aktiv zu werden. "Aber viele hatten nicht mal einen Schulabschluss, kaum jemand Kapital", erklärt Malmsey die Zurückhaltung der meisten.

Sie habe zu der Zeit immer wieder an ihren Mann denken müssen, wie er jahrzehntelang Landwirtschaftsmagazine kaufte und quasi "von seinem Lesesessel aus eine Farm betrieb". Sie glaubt auch, dass ihr Glück, eine akademische Ausbildung zu haben, sie dazu verpflichtet, ihre Träume in die Tat umzusetzen, um anderen ein Beispiel zu geben. "Ich will anderen zeigen, dass man immer Neues lernen, einen anderen Weg einschlagen kann, egal, woher man kommt oder wie alt man ist", sagt sie.

Mithilfe von acht lokalen Arbeitern renovierte sie die Farm von Grund auf. "Sie waren alle, wie die meisten Arbeiter hier, schwarz", erinnert Malmsey sich. "Und als sie zum ersten Mal auf die Farm kamen, fragten sie, wo die Hausherrin sei. Die waren noch überraschter als unsere weißen Nachbarn, als ich sagte: Das bin ich."

Nur vier Monate nach ihrer Ankunft musste sie erstmals Wein ernten – alleine, denn Diale hatte nach zwei Wochen am Kap für ein Semester zurück an die Uni gemusst, um seinen Vertrag zu erfüllen. Sie habe in dieser Zeit viel gelernt, über Weinanbau, aber vor allem über sich selbst. Oft habe sie gedacht, die Arbeit sei nicht zu schaffen, aber aufzugeben sei ihr dennoch nie in den Sinn gekommen.

Anstatt lederne Ohrensessel, exklusive Kunstsammlungen und edle Jagdhunde, wie man sie auf den altehrwürdigen Weinfarmen der Umgebung oft findet, gibt es bei den Rangakas Plastikstühle auf der Terrasse und selbst gemalte Bilder an der Wand. Malmsey serviert zum Wein afrikanische Gerichte, die sie selbst zubereitet. Auf einer Blumenwiese tollen die drei Enkel mit einer Schar pummeliger Mischlingswelpen. Die Aussicht auf Weingärten und Berge kann sich mit dem Luxus anderer Weingüter messen. Weingüter, auf denen die Rangakas nicht immer willkommen waren.

Auf die harte Tour, könnte man sagen, lernte Malmsey, was sie heute über Wein und dessen Vermarktung weiß. Bei Winzertreffen und Messen war sie selbst vor Jahren noch die einzige Schwarze. Es ärgerte sie, dass sie angestarrt, ignoriert oder sogar ausgelacht wurde, dass sie nicht mitreden konnte, weil sie von der Materie zu wenig verstand. Sie begann, Bücher über Anbau und Produktion zu lesen, besuchte Uni-Kurse und zwang sich, täglich ein Glas Wein, gemischt mit Traubensaft, zu trinken. Jede Woche erhöhte sie den Weinanteil, um sich nach und nach an den Geschmack zu gewöhnen.

Gemeinsam mit ihrem Mann ging sie zu Weinproben. "Es kam oft vor, dass uns niemand bediente oder die Kellner nur Wein eingossen, aber nicht mit uns sprachen wie mit den anderen Gästen", sagt Malmsey. Manche meinten, sie seien da, um sich günstig – viele Weinproben sind kostenlos – zu betrinken. "Es hat etwa drei Jahre und viel Humor auf unserer Seite gebraucht, um das Eis zu brechen", sagt Malmsey. "Zum Glück haben wir auch gute Erfahrungen gemacht, sonst wären wir vielleicht bitter geworden." Hilfsbereit waren die Nachbarn von der Farm Villiera, deren Winzerei sie zur Weinproduktion nutzen kann, bis sie eines Tages das Kapital für einen eigenen Weinkeller mit Presse und Kühlanlage aufbringen kann.

70 Prozent des Weins gehen in den Export, vor allem nach Europa

Malmsey hat es geschafft, mit M’hudi eine Marke zu etablieren und international zu verkaufen. 70 Prozent der 80.000 Flaschen, die sie pro Jahr produziert, gehen in den Export, vor allem nach Europa. In England wird ihr Wein über Marks & Spencer verkauft, in Südafrika über die Supermarktkette Woolworths. In Deutschland verhandelt sie mit einem Lebensmitteldiscounter, in den USA wird M’hudi-Wein in Disneyland-Restaurants serviert.

Bis ins Weinglas des US-Präsidenten hat es der M’hudi-Sauvignon-Blanc geschafft. Ein Coup, eingefädelt von Malmseys amerikanischer Importkauffrau, die ihre Story ans Weiße Haus schickte und auf Parallelen in den Geschichten der Rangakas und der Obamas verwies. Seither besuchen US-Touristen die Farm. Und bei einem internationalen Wettbewerb gewann der Sauvignon Blanc jüngst eine Silbermedaille. Malmsey selbst wurde 2010 mit dem Eteya (Emerging Tourism Entrepreneur of Year Award) ausgezeichnet, einem Preis, der aufstrebenden Unternehmern verliehen wird.

Rund 660.000 Euro hat sie investiert. In drei Jahren will sie mit M’hudi die Gewinnschwelle erreichen und Eichenfässer kaufen, um nach und nach eine Boutique-Winzerei einzurichten. Helfen sollen Einkünfte aus dem Tourismus, der in Südafrika wichtiges Standbein der Weinindustrie ist. Durchschnittlich 7,5 Millionen Gäste kommen pro Jahr ins Land, mehr als 70 Prozent von ihnen landen während des Urlaubs in der Weinregion. Eigene Gästezimmer, wie auch Malmsey sie seit Kurzem hat, Weinkeller- und Wandertouren sind für viele Farmer eine wichtige Einnahmequelle. Malmsey will Hochzeitsfeiern ausrichten und schwarze Winzer ausbilden.

Sie weiß, dass ein langer Weg vor ihr liegt, dass sie weiter investieren muss – Geld und Arbeit. Doch wie die Romanfigur M’hudi, die durch ihren Mut Glück und Liebe findet, geht Malmsey Rangaka voran und lebt ihren Traum.