Vorbild sei das neue Militärmuseum der Bundeswehr in Dresden und dessen Konzept, eine Kulturgeschichte der Gewalt zu erzählen . Doch so radikal wie dort lasse sich der Wandel hier eben nicht einleiten: Dresden brauche auf "unkritische Technikfans" keine Rücksicht zu nehmen. Im kleinen Munster aber, am Rand der Heide, hätten sie "ein ernstes Problem", wenn die ausblieben. Denn: "Wir sitzen hier im Nichts." Zu den Fotos und bizarren Texten befragt, seufzt Raths bloß: "Solche Tafeln wurden in den achtziger Jahren von enthusiastischen älteren Herren erstellt, die dem Museum mehr oder weniger ungefragt zugearbeitet haben..."

Ein bisschen was ist immerhin schon geschehen: Elemente des Krieges nennt sich ein neuer, kleiner Ausstellungsbereich, in dem beispielsweise die Wirkungen verschiedener Waffen Thema sind. Gezeigt werden erstmals auch Opfer aus Kriegsgebieten, die Fotos von Toten und Verletzten sind zu sehen. "Die Bundeswehr erhebt dagegen keine Einwände mehr", berichtet Raths.

Es ist ein Anfang. Der Blick in das Besucherbuch aber lässt erahnen, wie groß die Widerstände unter den Besuchern sind: "Und wo bleibt der Ruhm und die Ehre des Soldaten?"

Es folgen weitere Hallen: Panzer aus den USA und der Sowjetunion, Panzer aus Israel, aus Schweden, Panzer aus dem Bestand der Nationalen Volksarmee der DDR. Und dann geht es in die letzte Halle und damit in die unmittelbare Gegenwart, 4.738 Kilometer südöstlich von Munster: nach Afghanistan, nach Kundus. Der Besucher findet sich in einem aus Sandsäcken, Strohmatten und Tarnnetzen nachgebauten Bundeswehrlager wieder. Es ist verwaist, als seien die Soldaten gerade auf Patrouille. Der Blick in einen Wohncontainer zeigt eine karge, doch heimelige Welt: Das untere der Doppelstockbetten ist mit HSV-Wäsche bezogen, das Urlaubsfoto mit der Frau am Strand sachgerecht unter dem Passbild der Eltern an die Innenseite der Spindtür gepinnt. Auf einer schmalen Arbeitsplatte liegt die Bild aus ("Micaela zur Busenkontrolle"). Das ist es also, was es über den Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch zu sagen gibt?

Erneut bittet der Museumsleiter um Geduld, um Verständnis: Man sei gerade dabei, Videointerviews mit Soldaten der in Munster stationierten Panzerlehrbrigade vorzubereiten, die unlängst in Afghanistan waren. Versprochen sei, dass sich die Soldaten ohne Einschränkungen zu ihren Erfahrungen und Einschätzungen äußern dürften. Und Raths holt noch einmal tief Luft: "Seit sich die Bundeswehr um Freiwillige bemühen muss", habe sie begriffen, "dass ein kritisches Museum die bessere Werbung ist. Durch dumpfen Hurra-Patriotismus bekommt man keine guten Leute. Und davon profitieren wir."

2014, 2015, 2016... Irgendwann soll es so weit sein und das Deutsche Panzermuseum Munster sich ganz neu präsentieren. Andererseits ist das, wenn man es recht bedenkt, auch wieder schade. Denn wer wird es einem dann noch glauben, welche Ignoranz, welcher Nazimuff in einem Museum der Bundeswehr noch sechzig Jahre nach Kriegsende überlebt hat?