ZEITmagazin: Wie haben Sie sich die Aufmerksamkeit Ihres Vaters geholt?

Kaufmann: Mit Sport, weil ihm das sehr wichtig war, erst Fußball, dann Basketball. Ich war sogar im Kader der Basketball-Jugendnationalmannschaft, bis dann leider festgestellt wurde, dass ich Österreicherin bin, und ich nicht weitermachen konnte. Aber mein Vater war sehr stolz auf mich, und ich war sehr froh darüber.

ZEITmagazin: Sind Sie auch mit sich selbst streng?

Kaufmann: Ich weiß inzwischen, dass ich auch sagen kann: Es reicht, ich muss nicht noch besser, klüger, schneller sein. Andererseits laufe ich seit zwölf Jahren jeden Morgen eine gute Stunde. Oder wenn der Dreh sehr früh am Tag anfängt, laufe ich in der Nacht danach. Da gibt es bei mir schon eine Art Abhängigkeit nach dieser Form von Ruhe und Abgeschiedenheit. Man ist nicht erreichbar, man muss nicht sprechen, man kann einfach nur gucken und läuft durch die Gegend. Ich versuche auch, das an jedem Ort der Welt zu machen. Es gab Orte, wo es sehr schwer war, Nairobi zum Beispiel oder Bangkok . Aber eigentlich kann man fast in jedem Land die Möglichkeiten finden, wenn man möchte.

ZEITmagazin: Wie kommen Sie bei Ihrer Disziplin mit dem Chaos am Set zurecht?

Kaufmann: Inzwischen hilft mir die Erfahrung, dass sich die Dinge meistens fügen, wenn man nur ruhig bleibt. Da ich zwischen vielen Schauspielern aufgewachsen bin, imponiert mir ihr Verhalten einfach nicht so und setzt mich auch nicht unter Druck.

ZEITmagazin: Würden Sie gern mal die Rolle wechseln und auf der anderen Seite sein?

Kaufmann: Ich könnte niemals vor einer Kamera stehen, ich weiß, was es bedeutet, sich da zu öffnen. Ich habe Angst, verletzt zu werden, wenn ich zu viel von mir zeige. Und davor, ausgeliefert zu sein, im Sinne eines kindlichen, existenziell bedrohlichen Gefühls. Ich glaube, dass es lange Phasen von Einsamkeit in meiner Kindheit gab. Das ist in mir verankert, und es ist ein langer Weg, sich davon zu befreien. Man muss selbst da rausfinden, und es ist toll, wenn man eine Arbeit für sich gefunden hat, bei der das möglich ist. Es ist das Gefühl einer tiefen Erfüllung: Etwas, das einem wehgetan hat, findet plötzlich seinen Ort und ist richtig aufgehoben.