Ingenieur sollte er werden wie sein Vater und zuvor sein Großvater. Doch der einzige Sohn tat sich schwer in der Schule, seine Begabung lag offensichtlich auf einem ganz anderen Gebiet. Nach dem frühen Tod seines Vaters, der in geistiger Umnachtung ein großes Aktienpaket und damit das gesamte Vermögen der Familie verbrannt hatte, kam er endgültig von der vorgezeichneten Bahn ab. Eine renommierte Schule nahm ihn auf – gegen den Willen seiner Mutter und seines Vormunds. Allerdings hatte der Junge aus der Provinz in der nervös angespannten Atmosphäre der Metropole, als eine neue Zeit alte Gewissheiten erschütterte, einen ärmlichen Auftritt: Es ging ihm "hundselend", er trug die vom Vormund abgelegten Kleider, sein Anzug schlotterte um die mageren Glieder. Mit Unterstützung seiner Lehrer gelang ihm trotzdem rasch der Sprung an eine elitäre Institution. Dort geriet er an einen erzkonservativen Kleingeist, der dem rebellischen Schüler entgegengeschleudert haben soll: "Sie hat der Deubel in meine Schule gekackt!"

Der attraktive Deubelsdreck trieb es auf die Spitze und legte mit anderen einen Katalog von Forderungen nach großen Freiheiten vor; er erreichte damit aber nichts weiter als seinen Ausschluss. Ein älterer Freund und Mentor verhalf ihm zu ersten öffentlichen Auftritten – sie blieben ziemlich unbemerkt. So spielte der selbstbewusste junge Mann weiterhin die Rolle des extravagant gekleideten Bürgerschrecks. Als er sich mit seiner minderjährigen Geliebten in einer Kleinstadt niederließ, entsetzte das exotische und freizügige Paar die Kleinbürger, zumal Kinder bei ihnen ein und aus gingen. Vor Argwohn und Verdächtigungen flohen die beiden in ein abgelegenes Dorf, wo er ländliche Ruhe und Kraft für seine Arbeit zu finden hoffte. Die Idylle dauerte nur kurz, denn die üble Nachrede holte ihn ein: Eine Anzeige wegen "verübter Unsittlichkeit und Verführung einer Minderjährigen" brachte ihm 24 Tage Untersuchungshaft, was ihn zutiefst erschütterte. Freunde und Gönner zeigten sich befremdet und gingen auf Distanz, allein sein "guter Geist", ein kleiner Beamter, hielt bedingungslos zu ihm, wie auch seine Geliebte, die später nach der Trennung in ein Kloster ging.

Zurück in der Metropole, war seine wirtschaftliche Lage zunächst heikel, er gewann zwar bald Mäzene, verprellte jedoch an seinem Werk Interessierte durch überzogene Ansprüche. Die Heirat mit einem wohlbehüteten Mädchen aus begütertem Haus bedeutete den Abschied von seinen Rebellenjahren. Hatten seine Werke zuvor Tabus verletzt, durch ihre Sujets schockiert und zugleich die Fantasie gereizt, wich die ekstatische Aggressivität nun ruhiger und distanzierter Genauigkeit, trotz aller düsteren Visionen. Doch es blieben ihm nur wenige Jahre der Anerkennung. Drei Tage nach seiner schwangeren Frau wurde auch er Opfer der schlimmsten Epidemie seines Jahrhunderts. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 22:

Claudio Pizarro (*3. Oktober 1978 in Callao, Peru ) begann als Fußballprofi in seinem Heimatland (Alianza Lima ). 1999 holte ihn Werder Bremen , von 2001 an spielte der Stürmer sechs Jahre bei Bayern München . Ein Wechsel zum FC Chelsea verlief für ihn wider Erwarten erfolglos. 2008 kehrte Pizarro, der dank einer Großmutter auch einen italienischen Pass besitzt, zu Werder zurück. Der Publikumsliebling galt dort seither als Lebensversicherung, in der Bundesliga-Saison 2011/12 war er mit 18 Treffern Top-Torschütze und verlässt nun den Verein. Mit 160 Toren führt er auch überragend die Rangliste der besten ausländischen Bundesliga-Torjäger an. Sein Traum ist die WM-Teilnahme 2014 mit der Nationalmannschaft von Peru