Unserem Körper ist es ziemlich egal, in welcher Körperposition wir ihm Nahrung zuführen. Wir sitzen traditionell am Tisch, in manchen Kulturen sitzt man im Schneidersitz, die Römer haben im Liegen gegessen, und theoretisch kann man sich auch auf den Kopf stellen. Es geht bei der Frage um etwas anderes: Behandeln wir das Essen als eine Nebenbei-Sache, oder nehmen wir uns Zeit dafür wie etwa die Italiener und Japaner, bei denen das Essen im Stehen und Gehen verpönt ist?

Es gibt drei Gründe, die gegen das Unterwegsessen sprechen: Erstens isst man schneller. Weil man sich auf andere Dinge konzentriert, schaufelt man die Nahrung gedankenlos in sich hinein. Das führt zweitens dazu, dass man versucht ist, mehr zu essen. Denn wer schnell isst, der gibt dem Magen nicht genug Zeit, ans Hirn zu melden: Ich bin satt, hör auf, mich weiter vollzustopfen!

Und drittens essen wir unterwegs die falschen Dinge. Man nimmt ja im Gehen kein ausgewogenes Menü zu sich, sondern das, was der Bäcker oder Fast-Food-Laden in handlicher Form anbietet und was unsere niederen Instinkte anspricht – meist fette und kohlenhydratreiche Snacks.

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Das Essen im Gehen ist also nicht per se ungesund, es führt nur zu ungesunden und dick machenden Verhaltensweisen. Vergleicht man die Zahl der Fettleibigen in den erwähnten Ländern mit Deutschland oder gar den USA, dann liegen sie deutlich darunter: In Japan sind nur halb so viele Menschen übergewichtig wie bei uns, Amerika ist einsame Weltspitze.

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