Natürlich garantiert Geld allein nicht den Erfolg, aber ohne viel Geld geht in der amerikanischen Politik nichts. Als der Supreme Court den Weg für Millionäre freigab, sah Karl Rove sofort den strategischen Vorteil für die Republikaner und eilte schnurstracks nach Dallas. Natürlich gibt es auch vermögende Linke, die ihr Portemonnaie weit öffnen. Doch die Erfahrung zeigt, dass vor allem rechte Multimillionäre für politische Kampagnen tief in die Tasche greifen. Insoweit ist das politische System ganz und gar nicht ausgewogen. Jüngst gestand Milliardär Harold Simmons einer Zeitung, dass er in diesem Wahlkampf republikanischen Organisationen bereits 18,7 Millionen Dollar gespendet habe. 14,5 Millionen davon flossen an Roves SuperPac "American Crossroads".

Ganz vorn mischen auch die beiden Brüder Charles und David Koch mit. Sie haben ihr Vermögen, das auf 35 Milliarden Dollar geschätzt wird, mit Öl- und Gasgeschäften gemacht und finanzieren zwischen Alaska und Texas mit Vorliebe Feldzüge gegen grün angehauchte Volksvertreter und Wissenschaftler, die den Klimawandel für ein real existierendes Problem halten, sowie gegen Steuerämter und Richter, die Verständnis für Umweltbehörden aufbringen.

"Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz"

Viele sagen, dass es so nicht weitergehen kann. In Umfragen beklagen regelmäßig zwei Drittel der Amerikaner den Einfluss des Geldes auf Wahlkämpfe und politische Willensbildung. Die ehemalige Richterin am Supreme Court Sandra O’Connor sieht einen "Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz", Präsident Obama bezeichnete das Urteil vom Januar 2010 als "verheerend" und die SuperPacs als eine "Gefahr für die Demokratie". Sogar Mitt Romney forderte kurzzeitig, SuperPacs "abzuschaffen". Doch die meisten Politiker trauen sich derzeit nicht, auf den Beistand zu verzichten. Sie haben Angst, den Kürzeren zu ziehen. Deshalb bitten sowohl Obama wie auch Romney ihre Millionärsfreunde inständig um großzügige Spenden für ihre SuperPacs.

Nur die demokratische Senatorin Claire McCaskill aus Missouri wagt sich mutig aus der Deckung. Weil sie immer noch energisch Obamas Gesundheitsreform unterstützt, steht sie ganz oben auf der Abschussliste von Roves "American Crossroads". Schon zwei Millionen Dollar wurden für Anzeigen ausgegeben, die zur Abwahl der Senatorin aufrufen. Frontal greift McCaskill in einem eigenen Werbespot ihre Gegner an. "Da verärgerst du mit deiner Abstimmung mal eben ein Unternehmen", erklärt sie, "und flugs zahlt es einem SuperPac heimlich zehn Millionen Dollar – nur um dich loszuwerden."