Schlimme Klamotten, verbotene Frisuren, blaue Wimperntusche und jede Menge Kajal – das waren die Achtziger. Und natürlich Kassetten. Ka... was? Ja, Kassetten, diese kleinen grauen oder schwarzen Dinger mit den zwei Löchern, die man für seine Liebsten mithilfe einer Aufnahme- und Pausetaste auf dem Rekorder aufnahm oder, noch besser, geschenkt bekam, und so lange hörte, bis von der Musik nur noch Bandsalat und von der Liebe nur noch die Sehnsucht nach der nächsten Liebe übrig war.

Rock of Ages , der neue Film mit Tom Cruise, ist ungefähr so, als würde ein Haufen leicht abgehalfterter vierzig- bis fünfzigjähriger Freunde auf einem Schrottplatz in einen alten Golf GTI einbrechen, darin eine alte TDK-Kassette mit den Lieblingsliedern aus ihrer Teeniezeit finden und eine spontane Luftgitarren-Party starten, während die Dorfjugend staunend daneben steht.

Ausgerechnet Cruise, der seine Karriere übrigens in den Achtzigern mit Filmen wie Cocktail und Top Gun begann, spielt darin Stacee Jacxx, einen tätowierten Metal-Rockstar mit Matte, der verdächtig an eine Mischung aus Jon Bon Jovi, Axl Rose , Eddie Van Halen und einem ungarischen Hirtenhund auf Koks erinnert und folgerichtig Lieder von Def Leppard, Bon Jovi und Guns N’ Roses singt. Wie üblich, nimmt man ihm seine Rolle nicht so richtig ab, weil Cruise im richtigen Leben bekanntlich als operierender scientologischer Thetan nach höherer Cleanness strebt.

Seinem Kollegen Alec Baldwin , der in den Achtzigern mal der Mann von Kim Basinger war, glaubt man dagegen gerne, dass er voll wie ein Haus und gut drauf ist und außerdem auch gerne mal die eine oder andere Frau verhaut.

Rock of Ages ist für die Kinder der Achtziger gemacht, so wie das Abba-Musical Mamma Mia! für die Kinder der Siebziger war. Man kann sich über die schlimmen Klamotten, die verbotenen Frisuren und die alt gewordenen Stars der Jugend lustig machen und dabei heimlich noch mal die alten Kassetten hören. Camp goes Nostalgie. Enge Hosen, Dauerwellen, keine Gender-Debatte nirgends – hair-raising!

Wir sind gespannt auf das Sequel. In Babelsberg pre-streamen sie angeblich gerade das Musical der Neunziger. Dr. Motte wird gemorpht von Ryan Gosling, Keira Knightley spielt die Frau, die die Frau aus den Vampire Diaries spielt, und Tom Cruise spielt einen MP3-Player mit Pony. Gesucht wird noch eine laktosefrei deutsche Synchronstimme mit Migrationshintergrund. Tina Hildebrandt