Ich bin sicher, dass die Maschinen eines Tages die Weltherrschaft übernehmen werden. Diese düstere Gewissheit teile ich mit Autoren wie Dan Simmons (Hyperion: Künstliche Intelligenz greift nach der Macht im Universum), Daniel H. Wilson (Robocalypse: Technische Geräte, insbesondere Autos, führen einen Krieg gegen die Menschheit) oder Stanisław Lem (Die Waschmaschinen-Verschwörung: Waschmaschinen übernehmen die Weltherrschaft).

Bisher verhält sich meine eigene Waschmaschine unauffällig. Aber das heißt nichts. Die Cyborg-Handlanger der Maschinen (vulgo: Programmierer) haben einen anderen Weg gefunden, um uns zu unterjochen. Sie haben das vernetzte Auto erfunden. Das ist kein Auto mehr, das tut, was wir, die Fahrzeughalter, wollen; es tut, was es selbst will. Ungebeten kommuniziert es mit Mitarbeitern der Vertragswerkstatt. Und dann piepst es beim Rückwärtsfahren. Offenkundig bereits mit einem Steuerungschip implantierte Autoverkäufer preisen uns diese »Abstandhalterfunktion« als Befreiung des Autofahrers an: Nie wieder unversehens in ein Hindernis krachen! Aber ich durchschaue euch. Der Abstandhalter ist ein Lernprogramm für Robotergehorsam. Sein nervenzerfetzendes Gepiepe ertönt bereits, wenn man sich einem Hindernis auf 1,5 Meter nähert. Die daraus resultierende radikale Verknappung von Parkraum ist die erste offensichtliche Maßnahme der Maschinen, die sich gegen die Weltbevölkerung richtet: Wie soll eine Menschheit auf verzweifelter Parkplatzsuche Widerstand leisten? Als Nächstes werden Autos sich weigern, uns an Ziele zu bringen, die ihnen nicht passen. Und dann werden sie uns etwas antun.

Ich mache hiermit meiner Vertragswerkstatt ein letztes Angebot, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Wenn ich demnächst, mit einer ZEIT unter dem Arm, bei Ihnen auftauche und Sie bitte, den Abstandhalter abzuschalten, dann tun Sie das. Ohne Diskussion. Sagen Sie vor allem nicht: Die Software verbietet das. Sonst weiß ich, dass die Verschwörung existiert.