Eisige Winter, wortkarge Männer und zum Trost einen Wodka mehr als nötig – über Jahre haben Klaus Bednarz und Gerd Ruge in ihren Weihnachtsreportagen für die ARD dieses Russlandbild verfestigt. Markant posiert auch Tagesspiegel- Redakteur Jens Mühling auf dem Buchtitel seiner Reisereportage Mein russisches Abenteuer als einsamer Autofahrer in der verschneiten sibirischen Taiga. Allerdings sucht der Mittdreißiger zwischen Kreml, Kaukasus und Kamtschatka in leichterem Ton und mit weniger Pathos als seine Kollegen nach den "wahren Geschichten" des neuen Russland und der übrigen ehemaligen Sowjetrepubliken. Elegant verknüpft er die Schauplätze mit der russischen Geschichte und deren Protagonisten und beobachtet, wie sie die Gegenwart prägen. Mit den Bewohnern eines Blindenheimes tastet er im Kiewer Höhlenkloster nach Reliquien. Er trifft einen Nationalisten, der Lenin-Statuen die Nase abschlägt, und besucht eine Frau im Wald, die von der Geschichte nichts wissen will. Das Ergebnis ist Kopfkino vom Feinsten.