Klein ist das Mädchen, und bei dieser Simultanveranstaltung im Rahmen der Schach-WM sinkt es fast unter den Tisch. Man sieht nur seine abstehenden Zöpfe und den ratlosen Blick. Vor ihm das Brett mit der laufenden Partie, über ihm schnauft und grübelt unter Grimassen ein früherer Schachweltmeister. Garri Kasparow spielt im Innenhof der Moskauer Tretjakow-Galerie gegen 14 junge russische Talente, wenige Minuten nachdem er der versammelten Weltpresse verkündet hatte, in seinem Land gebe es keine herausragenden Talente mehr.

Nun beugt er sich über Ekaterina Goltseva, neun Jahre alt, die unter seinem Kopfschütteln und Grummeln noch etwas tiefer in ihrem Stuhl verschwindet.

Später wird die kleine Katja aus Nischni Nowgorod sein Remisangebot annehmen und der begeisterten Weltpresse Interviews geben. Katja, hast du sein Gesicht gesehen, als er gegen dich gespielt hat? "Ja, habe ich." Und was hast du da gedacht? "Ich weiß nicht."

Ein köstlicher Moment am Rande der Schachweltmeisterschaft, und an solchen Momenten hat es in den drei Wochen ihrer Dauer nicht gefehlt. Die beste Geschichte hat uns der Milliardär Andrej Filatow erzählt, als wir auf die zweieinhalb Millionen Dollar kamen, die er als Preisgeld ausgesetzt hatte. Filatow, ein Mann um die vierzig im eisgrauen Anzug mit eisgrauer Aura – ständig begleitet von einer Simultandolmetscherin, auf dass er sich der fragenden Weltpresse auch verständlich machen kann –, hatte seine Karriere als Schachlehrer begonnen, bevor er zum Infrastrukturoligarchen wurde, Herr über Güterzüge, Häfen und Brücken.

Zweieinhalb Millionen Dollar … Er habe einmal um weit mehr gespielt, damals, in den Neunzigern, als es um ein großes Geschäft ging. Sein Kontrahent habe Öl gehabt, er die Transportkapazität. "Ich wollte den Vertrag unterschreiben, aber nicht zu seinem Preis." Sie hätten sich nicht einigen können. Da habe ihm sein Gegenüber eine Partie Schach vorgeschlagen, eine Entscheidung "auf russische Art": Der Sieger bekommt die gewünschten Konditionen. "Er spielte ziemlich gut", erinnert sich Filatow. "Mir zitterten die Hände. Aber ich habe gewonnen."

Bei der Siegerehrung am Donnerstag letzter Woche saß Schachfreund Filatow in der ersten Reihe. Der Mann, den Forbes zu den tausend reichsten Menschen des Planeten zählt, hat sich seinen Traum von der Weltmeisterschaft erfüllt, wenn auch nicht am Brett, sondern als Finanzier.

Schachweltmeister wurde einmal mehr der Titelträger seit fünf Jahren, Viswanathan Anand aus Indien. Sein Herausforderer Boris Gelfand aus Israel war ihn über zwölf Runden hinweg angegangen, aber dann, nach dem 6:6, beim Stechen über vier Schnellpartien mit arg verkürzter Bedenkzeit, kam Gelfand nicht mehr mit. In guten Stellungen rannte ihm die Zeit davon, und als sie knapp wurde, unterliefen ihm Ungenauigkeiten und Fehler. Anand gewann eine Schnellpartie mit Glück, die anderen drei hielt er remis.

Boris Gelfand nahm es sportlich: "Ich habe ein großes Match gespielt und beim Elfmeterschießen den Pfosten getroffen. So was passiert."