Die Faulenzerin

Mein Ziel im Urlaub ist es, mich über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen mimikryartig dem Dasein einer Pizza anzunähern. In einem Lokal, in dem die Bestecke nicht zusammenpassen und der Wirt in der Nase popelt, was egal ist, weil sowieso niemand vorbeikommt. An 340 Tagen des Jahres ist mir nach Abenteuer, bin ich vielfältig interessiert, aktiv, empathisch und meine das auch vollkommen ernst. Aber die verbleibenden Tage lang will ich Teig sein.

Um diesen Zustand zu erreichen, gilt es zunächst, möglichst viel Zeit flach liegend zu verbringen, was ich vor allem nachts bis vormittags sowie nachmittags am Strand erledige. Kaffee in der Horizontalen goutiere ich sehr, lasse ihn mir allerdings nur von Menschen servieren, die mich lieben, damit ich mir nicht vorher die Haare kämmen muss. Ich will keinen Stress. Hotels scheiden dadurch für meine Urlaube aus. Es müssen Ferienhäuser sein. Abgeschieden. Am liebsten an der französischen Atlantikküste.

Als Pizza wäre ich im Urlaub so was wie die Nummer 4 ohne Belag. Ich schwimme nicht (zu kalt, zu anstrengend), ich lese nicht (zu unbequem im Liegen, zu anstrengend), ich unterhalte mich nicht (zu viel Gesichtsmuskelkontraktion, zu anstrengend), ich spiele weder Beach- noch Fuß-, noch Sonst-was-Ball (zu anstrengend, ganz grundsätzlich). Und unterdessen werde ich langsam von allen Seiten braun. Nummer 4 halt.

Wahrscheinlich ist es über weite Strecken unendlich langweilig, mit mir zu verreisen. Aber wer Geduld hat und mich im Urlaub ein paar Tage Pizza sein lässt, bekommt zum Nachtisch, wenn ich mich erholt habe, manchmal auch Tiramisu.

Karin Ceballos Betancur