Orientteppiche sind beliebte Mitbringsel von der Urlaubs- oder Dienstreise. Doch für den Laien birgt der Kauf viele Tücken. Ein vermeintlich günstiges Geschäft kann sich schnell als Fehlgriff erweisen. »Der Teppichkauf in fremden Ländern ist nicht einfach«, sagt Herbert Exner. »Zwar gibt es überall gute, seriöse Anbieter. Aber wie will ein Laie die erkennen?«

Exner ist Experte für Orientteppiche. Immer wieder hat er entnervte Urlaubsheimkehrer am Telefon – der Chemiker erstellt Gutachten, aus denen hervorgeht, ob ein textiles Schmuckstück seinen Preis wirklich wert ist. Er rät davon ab, spontan zuzugreifen, wenn man etwa als Teil einer Reisegruppe vom Veranstalter zu einem Geschäft gebracht wird. Dort wird die Gruppe oft mit einem Showprogramm in Kauflaune versetzt. Eine angeheuerte Oma verteilt Tee. Bei den Teppichen sitzen hübsche Frauen, sodass der Kunde glaubt, seine Ware sei von deren zarten Fingern gefertigt worden. Dabei war meist eine Maschine tätig, und nicht selten handelt es sich bei der Ware um Importe aus China.

Mehr Glück mag haben, wer in großen Städten alleine durch die Nebenstraßen streift und verschiedene Läden sichtet. Dann sollte er feilschen – ohne auf die Uhr zu sehen. »Wer arrogant auftritt und sich keine Zeit nimmt, bekommt oft einen Abschreckungspreis genannt, der kaum noch verhandelbar ist«, sagt Exner.

Helga Hartenstein vom Teppichmuseum im sächsischen Oelsnitz rät, sich Ware aus mehreren Preisstufen zeigen zu lassen. »Und dann legt man den Teppich seiner Wahl neben den teuersten. So merkt man, wenn einem der Verkäufer einen labbrigen Lappen andrehen will.« Denn oft wird Urlaubern spezielle Touristenware angeboten – Teppiche, die so schlecht sind, dass kein Importeur sie nehmen würde. Hartenstein empfiehlt, den Flor kräftig auseinanderzudrücken und sich den Grund anzuschauen. »Manchmal werden Teppiche innen ausgestopft, um sie üppiger wirken zu lassen.«

Überhaupt ist Ware nicht grundlos billig. »Wenn Sie einen riesigen Teppich kaufen, der komplett rot ist und 200 Euro kostet, kann der nicht mit Naturfarbe gefärbt sein.« Dafür ist der Farbstoff, heute meist aus der Krappwurzel gewonnen, viel zu aufwendig in der Verarbeitung. Stutzig werden sollte der Urlauber auch, wenn sich ein Wollteppich nicht fettig anfühlt. Dann ist er womöglich aus Gerberwolle gefertigt, einer spröden, bei der Ledergewinnung abfallenden Wolle, die kaum mehr Fett enthält.

Die Händler haben gar keinen Grund, Prachtstücke zu verramschen

Und es ist nicht alles Seide, was glänzt. Oft schimmert da nur mit Natronlauge bearbeitete Baumwolle. Exner rät zum Schnelltest. Der Kunde kann einen Faden aus dem Teppich ziehen und anzünden. Ist es wirklich Seide, erlischt die Flamme, es riecht nach verbranntem Haar. Hat der Urlauber aufgepeppte Baumwolle erwischt, verglüht der Faden, und es riecht nach verbranntem Papier. Generell lohnt es, sich vor der Reise ins Thema Teppich einzuarbeiten – Exner empfiehlt etwa das Buch Orientteppiche von Jon Thompson.