ZEITmagazin: Was genau meinen Sie mit Rettung?

Werner: Dass ich erkannt habe, dass ein Unternehmen sich organisch und strukturell weiterentwickeln muss. Regenerieren ist wichtiger als expandieren, ein Unternehmen muss gesund wachsen. Die Großdrogerie damals hat zwar mit Begeisterung und Erfolg immer mehr Filialen aufgebaut und Umsatz gemacht, aber nicht die Folgen bedacht – wie der Zauberlehrling von Goethe. Wir setzen etwas in Gang und werden der Folgen nicht mehr Herr.

ZEITmagazin: Und welche Strategie haben Sie dem entgegengesetzt?

Werner: Im Rhythmus liegt die Kraft. Rhythmus steigert die Effizienz. Beim Rudern habe ich gelernt: Jeder unsynchronisierte Zug kostet Kraft. Außerdem habe ich mich beraten lassen, um den Erfolg zu konsolidieren. Mit 32 Jahren, nach der ersten Erfolgswelle, wir hatten damals etwa 100 Filialen, habe ich gemerkt, dass mit dem Wachstum auch die Komplexität bedrohlich zunahm. Die Organisation des Unternehmens musste grundlegend verändert werden.

ZEITmagazin: Gewöhnlich wird die Struktur erst verändert, wenn ein Unternehmen mit dem Rücken zur Wand steht?

Werner: Nur Ignoranten wollen nichts Neues wissen. Mein Berater gab mir neue Impulse und konfrontierte mich mit wesentlichen Fragen: Für wen ist das Unternehmen da? Sind die Mitarbeiter und die Kunden für das Unternehmen da oder das ist Unternehmen für die Mitarbeiter und die Kunden da? Was ist das, was der Mensch wirklich will? Nur wer die Menschen begreift, kann sie als Kunden gewinnen. Als Unternehmer bin ich letztlich für die Menschen tätig. Diese Einsicht hat mich nachhaltig geprägt.

ZEITmagazin: Und Sie vor Stillstand bewahrt?

Werner: Jeden Tag müssen Sie das Leben auf den Prüfstand stellen und sich fragen: Kann ich heute so weitermachen wie gestern? Indem ich nicht so weitermache wie bisher, rette ich mich.

ZEITmagazin: Sie sind Vater von sieben Kindern. Wie lassen sich Unternehmen und Familie miteinander vereinbaren?

Werner: Indem ich mich nicht durch Hobbys ablenken lasse und mich auf das Wesentliche konzentriere. Mein Beruf und meine Familie sind Hobby genug. So einfach ist das.