Im Dezember 1997 wurden nach der Ausstrahlung einer Folge der Trickfilmserie Pokémon 600 Kinder in Japan mit Verdacht auf epileptische Anfälle stationär behandelt. In der Serie gibt es oft Szenen mit stark flackerndem Licht, und es ist eine Tatsache, dass dieses Flackern bei manchen Menschen einen epileptischen Anfall auslösen kann.

Auch in Klubs und Diskotheken wird Flackerlicht eingesetzt, sogenannte Stroboskope, und daraus leitet sich der Ratschlag ab, dass Epileptiker solche Orte meiden sollten. Aber das sei ein übervorsichtiger Ratschlag, sagt Thomas Mayer vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie . Gerade jugendliche Epileptiker brauchten Bewegung, und man sollte sie weder vom Sport fernhalten noch ihnen die Disco verbieten. "All das trägt zur Stigmatisierung bei und verhindert einen offenen Umgang", sagt Mayer.

Unter der sogenannten Fotosensibilität, der Empfindlichkeit gegenüber Flackerlicht, leidet nur ein Bruchteil der Epileptiker – insgesamt etwa fünf Prozent, unter Kindern höchstens zwanzig Prozent.

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Diese Sensibilität bedeutet auch nur, dass man entsprechende Reaktionen mittels EEG nachweisen kann, nicht, dass das Licht tatsächlich Anfälle auslöst. Und ein flackerndes Fernsehbild führt viel häufiger zu epileptischen Anfällen als ein Stroboskop.

Das Fazit: Nur ein Bruchteil der epilepsiekranken Jugendlichen ist tatsächlich fotosensibel und sollte die Disco meiden.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oderstimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv:www.zeit.de/stimmts

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