Es ist eine schlechte Nachricht für die Griller: Nürnberger Bratwürstchen werden knapp und teuer. Das Kilo kostet schon 60 Cent mehr als im Vorjahr. Und das liegt an der Iran-Krise.

Der Würstchenengpass ist ein Schafsdarmengpass. "Schafsdarm ist schlank und stabil, er hat Biss und gibt einen besonderen Geschmack", erklärt Helmut Seitz, Obermeister der Nürnberger Fleischer-Innung. Nürnberger Würstchen gibt es nur im Schafsdarm, schon weil die jahrhundertealte Rezeptur des geschützten Erzeugnisses dies vorschreibt.

Der beste Würstchenschafsdarm stammt aus dem teilweise landschaftlich schroffen Nahen und Mittleren Osten, wo die Schafe nicht weiches Gras, sondern hartes Gestrüpp fressen, welches der Darm mühevoll verdauen muss. Das härtet ab. Doch die ganze Region bebt – arabische Revolutionen, Hochspannung im Iran: Da bleibt auch Kai Behringer, der Inhaber des Nürnberger Bratwurstglöckleins, nicht verschont: "In den instabilen Verhältnissen züchten die Leute einfach keine Schafe mehr." Langfristig zu planen sei unmöglich. Behringer weiß noch, wie der Irakkrieg die Darmpreise nach oben getrieben hat.

In Europa gibt es nicht einmal genug Schafe

In den vergangenen Jahren hat sich der Preis für Schafsdärme verfünffacht. Heute kosten 90 Meter Darm, genug für etwa 1000 Würstchen, über 17 Euro. Auch Majoran, Kardamom und Piment sind teurer geworden. Traditionelle Darmlieferanten aus Asien orientieren sich um. China, inzwischen ein Land der Wurstfreunde, braucht seine Saitlinge nun selbst.

In Europa gibt es keinen so stabilen Schafsdarm und nicht einmal genug Schafe. Schaffleisch will kaum einer, und da die Tiere meist nicht geschächtet werden, wollen auch orthodoxe Muslime und Juden ihr Fleisch nicht. Innungsobermeister Seitz sagt: "Es ist doch sinnlos, ein Schaf zu züchten und zu töten, nur weil man seinen Darm haben will."