Sekretär ist ein interessanter Beruf. Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen Wort für Geheimschreiber ab. Das gibt heute Rätsel auf. Will dies bedeuten, dass jemand geheim irgendetwas zu Papier bringt oder dass das Geschriebene Geheimnisse birgt? Oder ist am Ende das Talent gemeint, etwas Hochintelligentes dermaßen verschlüsselt festzuhalten, sodass Normalsterbliche nicht schlau daraus werden?

Letzteres trifft sicher auf die beiden besten Sekretäre der österreichischen Politik zu. Der Medienstaatssekretär wurde ja einst deshalb berühmt, weil er luzide erklären konnte, warum Politik und Medien notwendigerweise eng miteinander verschlungen sein müssen: Bei einer derart überschaubaren Bevölkerungszahl von acht Millionen sei es unumgänglich, dass praktisch jeder jeden kennt.

Auch der schwarze Parteisekretär überraschte unlängst mit einer packenden Enthüllung. In profunder Kenntnis der Farbenlehre wies er darauf hin, dass bei Schwarz-Blau kein Rot enthalten sei. Schwarz ist überhaupt die Mutter aller Farben, ohne selbst eine zu sein. Eine schöne Analogie zum Selbstverständnis der Volkspartei.

Leider steht das im Gegensatz zu aktuellen Umfragewerten. Diese wiederum sollen durch mehr direkte Demokratie etwas aufgepäppelt werden. Wie direkt, ist noch unklar, doch der Medienstaatssekretär sieht den Schlüssel beim E-Voting. Stell dir vor, es ist Demokratie und keiner geht hin. Sicher wird den beiden dereinst der ganz große Durchbruch gelingen. Das Zauberwort dazu heißt dann wohl E-Thinking. Irgendwo wird gedacht, und man ist selbst nicht dabei. Wer weiß, vielleicht liegt darin das Geheimnis des Sekretärs?