Der Winter war zu warm, der Frühsommer nass. Das miese Klima hat vielen die Laune verdorben. Das ist schlecht für den Handel, denn dessen Lager bleiben voll. Es herrscht Flaute, die Geschäfte dümpeln vor sich hin. Wenn das so weitergeht, werden immer mehr Unternehmen ihre Segel streichen müssen. Schlecker und Neckermann, so sieht es derzeit aus, sind erst der Anfang einer Pleitewelle.

Gerade gab die Wirtschaftsauskunftei Creditreform neue Zahlen bekannt. Danach traten im ersten Halbjahr 3.140 Händler den Weg zum Amtsrichter an, um Insolvenz anzumelden, fast acht Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Schlechtes Wetter ist allerdings nur einer von vielen Gründen für die Misere. Ökonomen argumentieren, dass es vor allem die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen sei, die den Händlern zu schaffen mache. Niedrige Löhne und prekäre Jobs hemmten die Kaufkraft immer größerer Schichten in der Gesellschaft. Andere Experten glauben wiederum, dass es vor allem die Shops im Internet seien, die den klassischen Händlern zusetzten. Unbestritten ist bei allen eines: Ganz sicher in die Pleite führt das Unvermögen von Managern und Unternehmern.

So wie bei Schlecker . Der Drogerist wollte immer weiter wachsen und merkte nicht, dass die Konkurrenz mit ihren geräumigen und hellen Läden neue Standards setzte. Nach der wohl größten Pleite in der bundesdeutschen Firmengeschichte verlieren nahezu 30.000 Menschen ihre Arbeit. Schlecker wird, bis auf den Erhalt einiger weniger Filialen, abgewickelt. Der Staatsanwalt ermittelt inzwischen sogar, ob vor der Insolvenz alles mit rechten Dingen zuging oder ob sich Familienmitglieder oder Manager strafbar gemacht haben.

Vergangene Woche meldete die Traditionsfirma Neckermann Insolvenz an . Dort geht es zwar nur um 2.400 Arbeitsplätze. Dennoch hebt der Fall nicht gerade die Stimmung in der Branche – zumal er etwas rätselhaft ist.

Nach Quelle – die Firma verschwand 2009 vom Markt – ist Neckermann der zweite bekannte deutsche Versender, der aufgibt. Dabei sah es lange Zeit ganz danach aus, als könnte sich das Unternehmen mit seiner Internetstrategie behaupten. Manche glaubten sogar, Neckermann würde zum Vorbild der Branche. Die Hessische Landesregierung zeichnete die Firma Anfang dieses Jahres sogar noch aus.

Immerhin sind die Onlineumsätze in den ersten drei Monaten 2012 nach Angaben des Unternehmens noch um satte 30 Prozent gestiegen. Damit liege Neckermann deutlich über dem Branchenvergleich, wie ein Report der IfH Retail Consultants zeigt. Allerdings sind die durch den Katalog verursachten Bestellungen in diesem Zeitraum empfindlich eingebrochen. Neckermann wollte denn auch kein Papier mehr bedrucken, sondern nur noch online präsent sein – und massiv Arbeitsplätze streichen . Deshalb kam es zum Streit mit der Gewerkschaft. Die Einigung schien nahe. Doch dann ließ der Finanzinvestor Sun Capital den Betrieb trotzdem in die Insolvenz gehen.