Die Angst vor einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist in Athen real. Alle Vertreter der griechischen Elite, seien es Minister, Parlamentarier oder Unternehmer, teilen sie. Zugleich sagt kein führender Politiker, er habe einen Plan B, einen Plan, der erklärt, was zu tun sei, sollte das Land die Euro-Zone tatsächlich verlassen müssen.

Am Syntagma-Platz, gegenüber dem Parlament, liegt das Finanzministerium. Dort hat Minister Giannis Stournaras sein Büro. Die drei Parteien, die seit Juli die Regierung bilden, hatten sich darauf geeinigt, dem namhaften Wirtschaftsprofessor diesen Posten anzuvertrauen. Ist er auf einen »Grexit« vorbereitet?

Stournaras lächelt. »Ein Mann, der so hart daran gearbeitet hat, sein Land in die Euro-Zone zu bringen, kann einen solchen Plan nicht haben«, lautet seine knappe Antwort. In den 1990er Jahren, als Griechenland der EU beitrat, war Stournaras einer der engsten Berater des damaligen Premierministers Kostas Simitis.

Es ist schwer zu glauben, dass tatsächlich kein Plan für einen möglichen Austritt aus der Euro-Zone existieren soll. Doch genau das ist auch aus der griechischen Notenbank zu hören.

Offiziell gibt Bankchef Georgios Provopoulos keinen Kommentar zu einem möglichen Euro-Austritt ab. Einige seiner Topbanker geben unter der Hand an, dass sie nicht wüssten, ob ein solcher Plan überhaupt existiere.

Ein Minister der liberal-konservativen Nea Dimokratia macht derweil klar, dass obwohl ihn persönlich die Aussicht auf einen Verbleib in der Euro-Zone ängstige, er sicher sei, dass niemand je einen möglichen Austrittsplan entworfen habe.

Und sogar der Liberale Andreas Adrianopoulos, Ex-Minister und Ex-Parlamentsmitglied sowohl der Nea Dimokratia als auch der Pasok, ist sich sicher: Einen Plan gibt es nicht.

Nicht einmal die linke Syriza oder andere Oppositionsparteien verfügten über einen Grexit-Plan.