»I finally cracked it.« Seit Steve Jobs seinem Biografen Walter Isaacson diesen einen Satz diktierte, ist in der Fernsehwelt nichts mehr, wie es einmal war. Jobs Aussage hat eine gesamte Branche in Angst und Schrecken versetzt. »I finally cracked it« , das ist die Antwort des Apple-Gründers auf die Frage, wie sich Internet und Fernsehen endgültig verbinden lassen. »Ich möchte ein integriertes TV-Gerät entwickeln, das ganz einfach zu nutzen ist«, zitiert ihn Isaacson. Dazu kam es nicht mehr, der Visionär und Unternehmer Jobs starb im Herbst vergangenen Jahres. Doch die Gerüchte blieben: Woran arbeiten die Ingenieure bei Apple? Hat nicht sogar schon jemand den Prototyp gesehen? Ein iTV? Oder ein iSee?

Google drängt ebenfalls ins Fernsehgeschäft. Anfang des Jahres hat der Internetkonzern mit Google TV die neueste Generation seiner Set-Top-Box vorgestellt: ein kleiner Kasten, der das Internet auf den Fernsehbildschirm bringt. Ab Herbst soll es die Box auch in Deutschland geben. Inklusive YouTube, des Fernsehens für Nischen. Mit genau dem Programm, das man möchte, und seien es den ganzen Tag lang Skateboardvideos. Vor allem Menschen, die von klein auf mit dem Internet vertraut sind, wollen nicht mehr akzeptieren, dass jemand anders bestimmt, was sie sehen. Sie möchten es selbst entscheiden.

Die Fernsehrevolution beginnt mit einem neuen Gerät: dem internetfähigen Fernseher . Im Jahr 2015 werden weltweit 60 Prozent aller neu ausgelieferten Fernseher sogenannte Connected TVs sein, die sich mit dem Internet verbinden können. »Das ist die große Herausforderung für die kommenden Jahre«, sagt Christine Strobl, Leiterin der Degeto, der gemeinsamen Filmeinkaufsfirma der ARD, die für das klassische deutsche Fernsehen der vergangenen Jahrzehnte steht. »Wir tasten uns gerade ran.«

Und während der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande noch grübelt, wie Apple , Google und das Internet das Fernsehen der Zukunft wohl verändern werden, zeigt die britische BBC schon heute, wie es aussehen könnte.

Die Verantwortlichen von Großbritanniens öffentlich-rechtlicher Sendeanstalt haben lange darüber nachgedacht, wie sie die Zuschauer zurück vor den Fernseher locken. Wie sie die Aufmerksamkeit derer erobern, die mit Facebook und Twitter groß geworden sind. Wie man sie überzeugt, sich mit dem Programm zu befassen statt mit ihren Nachrichten in den Sozialen Netzwerken.

Wer erfahren will, wie das geht, muss nach London reisen, in eine Stadt, die sich bereit macht für die Olympischen Spiele. In White City sitzt die BBC, die »alte Tante«, wie sie viele Briten nennen. Und tatsächlich wirkt der Ort, an dem das Fernsehen der Zukunft erfunden wird, eher bescheiden: ein acht Quadratmeter großer Konferenzraum im neunten Stock der BBC-Zentrale. Ein schäbiger Tisch füllt ihn so weit aus, dass man sich an die Wände pressen muss. Die Luft ist auf 17 Grad Celsius gekühlt. Aber die Erfinder des Zukunftsfernsehens, Phil Fearnley und Ben Gallop, haben die Ärmel hochgekrempelt.

Sie haben den Kampf gegen Google und Apple um die Zukunft des Fernsehens aufgenommen. »Wir haben viel rumprobiert am Anfang«, sagen sie. Und dann, als die Spekulationen über die Entwicklungen von Google und Apple näher kamen wie Einschläge, als Olympia in ihrem London ausgerichtet werden sollte, dachten sie: Wo, wenn nicht hier? Wann, wenn nicht jetzt?

Es ist der perfekte Zeitpunkt, die Massen noch einmal vor den Fernseher zu ziehen. Fearnley, der für die Technik zuständig ist, und Gallop, der für die redaktionelle Entwicklung verantwortlich ist, wollen mit BBC Olympics ein Lagerfeuer entzünden, um das sich die Gesellschaft versammeln soll.