»Fenchel in schmale Scheiben schneiden. In Olivenöl braten, bis der Garpunkt erreicht ist. Fenchel mit einer Mischung aus Olivenöl und Zitronensaft nappieren.«

Der Kochprofi leckt sich bereits die Lippen, wenn er diese Zeilen liest. Der Laie jedoch legt das Rezept beiseite und betrachtet irritiert den geschnittenen Fenchel. Wo bitte liegt denn dessen Garpunkt? Und was zum Teufel ist nappieren?

Konnten Kochbuchschreiber früher auf das Grundwissen der guten Hausfrau vertrauen, ist die Ethnie der Hobbyköche heute wesentlich heterogener. Angeregt durch die Fernseh-Kochshows, wagen sich Mann und Frau, Jung und Alt an die Töpfe. Mälzer , Wiener, Lafer und Lichter haben das Interesse geweckt, sich in der Kunst des ambitionierten Kochens zu versuchen.

Dementsprechend sind die Ansprüche an die Rezepteschreiber gestiegen. Das kurze Textstück hat es in sich – das weiß nicht nur, wer am Fenchel scheitert. »Rezepte müssen reibungslos funktionieren, weil sie unmittelbar in Handlung umgesetzt werden«, sagt Elke Donalies vom IDS Mannheim , dem Institut für Deutsche Sprache. Sie ist ebenso leidenschaftliche Linguistin wie Köchin, ihre Forschung verbindet beides: Wie muss ein Rezept geschrieben sein, damit es seinen Zweck erfüllt?

Um das herauszufinden, ging sie ins Netz. Dort ist das Rezept längst angekommen, bei Seiten wie kochbar oder Rezepte-Wiki . Auf chefkoch.de verrät Hubert50, wie er Schellfisch zubereitet, und Backfee präsentiert ihren Kuchen. Allein chefkoch.de hat 200.000 Einträge – eine Fundgrube für Elke Donalies. Hat ein Nachkocher Probleme, tut er das unmittelbar kund und füllt die Kommentarspalte mit Kritik oder mit Fragen an den Koch. Mehrere Hundert Kommentare hat Donalies gescannt – auf der Suche nach Schwierigkeiten.

Die beginnen schon bei der Zutatenauswahl. »Früher gab es nur Dill und Petersilie«, erzählt die 53-Jährige. »Jetzt sind Koriander und Wasabi gang und gäbe in der Küche.« Doch nicht jedem Koch ist auch jedes Gewürz geläufig. »Wo bekomme ich das her?«, lautet eine oft gestellte Frage. »Die Lösung für dieses Problem kann sein, viele Informationen zu geben«, sagt Donalies. »Wenn ein Leser sie nicht braucht, kann er sie ja ignorieren.«

Mengen sollte man präzise angeben, selbiges gilt für Temperaturen. Während die geübteren Köche bereits ein Gefühl für »etwas Wasser« und »schwache Hitze« entwickelt haben, wünscht sich die Mehrheit der Hobbybrutzler für Liter und Grad konkrete Zahlen. Alternativ gibt Donalies den Tipp, das Resultat genau zu beschreiben – die Muscheln also so lange zu garen, »bis sie sich geöffnet haben«.