Die Frage: Mit etwas Hilfe durch die Fertilitätsmedizin haben Daniel und Liona, beide über 40, noch eine Tochter bekommen. Liona ist eine sehr besorgte Mutter und hätte Daniel gern so viel wie nur möglich daheim, damit sie ihr Kind zu zweit aufwachsen sehen können. Daniel hält sich für einen engagierten Vater, er hat Elternzeit genommen und kümmert sich gerne. Aber er fühlt sich eingesperrt. Früher war er jedes Wochenende wandern, jetzt fällt ihm die Decke auf den Kopf. Liona mag es nicht, wenn er allein loszieht. Daniel schlägt vor: Beide haben je ein Wochenende im Monat frei; es reicht doch, wenn dann er oder sie auf das Baby aufpassen, es müssen nicht immer beide sein! »Du lässt die Familie im Stich«, klagt Liona unter Tränen.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Daniel sollte Liona trösten, aber seine Pläne nicht opfern. Viele Mütter verschmelzen derart mit ihrem ersten Kind, dass sie eine der wichtigsten Unterscheidungen nicht mehr treffen können, die das Leben Erwachsener prägen: Eine vorübergehende Trennung ist etwas ganz anderes als eine endgültige. Daniel lässt die Familie nicht im Stich, sondern er sorgt dafür, dass er ein fröhlicher und gut gelaunter Vater bleibt, der für das Kind sicherlich wichtiger ist als ein muffiger Sklave einer überbesorgten Mutter. Liona sollte das Angebot annehmen, Daniel ziehen lassen und sich in vierzehn Tagen selbst ein kinderfreies Wochenende gönnen.