DIE ZEIT : Herr Cordalis, vor einem halben Jahr war Ihr Name in aller Munde.

Costa Cordalis: Ja, als die Costa Concordia vor der italienischen Küste auf Grund lief. Alle möglichen Leute haben mich aufgezogen, weil das Schiff so ähnlich hieß wie ich. Aber ich bin Scherze mit meinem Namen gewohnt. Als Deutschland damals bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Costa Rica spielte, hörte ich von Freunden: »Wir spielen gegen Costa Cordalis!« Und wenn jemand nach Spanien reist, sagt er schon mal: »Ich mache Urlaub an der Costa Cordalis.«

ZEIT: Sie sind aber gutmütig.

Cordalis: Mit meinem Namen darf man ruhig spielen. Bei der Havarie dachte ich selbst aber: Wie schrecklich! Zum Glück habe ich so was noch nie erlebt! Ich bin zwei, drei Mal im Jahr auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs, immer etwa eine Woche lang. Auch mit der Costa-Reederei bin ich schon gefahren, aber nie mit der Costa Concordia.

ZEIT: Sie treten auf den Schiffen auf.

Cordalis: Ja, das ist in der letzten Zeit ein tolles Geschäft geworden. Die Lust auf Schiffsurlaub hat sich sehr schnell ausgebreitet: Als ich vor 25 Jahren meine erste Kreuzfahrt mit der MS Europa in die Karibik machte, kam mir das Publikum recht alt vor, 60 Jahre oder älter – nur diese Generation konnte solche Reisen bezahlen. Heute sind die Touren günstiger, sodass viel mehr Menschen sie sich leisten können. An Silvester war ich auf einem TUI-Schiff wieder in der Karibik; da waren 70-Jährige genauso im Publikum wie 20-Jährige. Und alle haben kräftig gefeiert!

ZEIT: Sind Konzerte auf hoher See anders als an Land?

Cordalis: Die Leute dürfen an Bord keine Feuerzeuge schwenken, wegen der Brandgefahr. Dafür bringen sie aber oft Leuchtstäbe mit. Und bei starkem Seegang kann ein Konzert schon mal zur Herausforderung werden. Vor ein paar Jahren habe ich das erlebt, da zog ein Sturm mit Windstärke zehn auf, das Schiff schaukelte auf Riesenwellen, unser Pianist hat sich am Klavier festgebunden, damit er nicht wegrutschte. Mir wurde mulmig, mein Gesicht lief gelb an wie eine Zitrone – dann bin ich mit meiner Frau in die Kabine geflohen. Ein paar Tage später haben wir das Konzert nachgeholt.

ZEIT: Müssen Sie auf so einem Riesenkahn eigentlich nicht ständig vor Autogrammjägern fliehen?

Cordalis: Das möchte ich gar nicht. Ich gebe freiwillig Autogrammstunden, und ich plaudere auch gerne mit anderen Passagieren oder dem Personal. Einmal habe ich zwei Jungs von den Philippinen, die unsere Kabine sauber machten, mit ein paar Wörtern in ihrer Muttersprache beeindruckt: Ich sagte »Salamat po«, »vielen Dank«. Da waren sie ganz hingerissen, schwärmten mir von den Stränden auf den Philippinen vor und erzählten, dass sie ihren Familien immer Geld nach Hause schicken. Solche Begegnungen sind mir wichtig an Bord. Am Ende einer Fahrt sollen die Leute sagen: »Die Cordalis’ sind eine nette Familie.«

ZEIT: Wo trifft man die denn tagsüber? Auch mal an der Kletterwand auf dem Oberdeck?

Cordalis: Nein, Höchstleistungen muss ich nicht vollbringen. Mir reichen ein Sportstudio, Massageräume und ein Kosmetiksalon. Die Höhepunkte jeder Kreuzfahrt sind für mich die Landgänge – und der Besuch auf der Brücke: Mir bleibt dort jedes Mal der Mund offen stehen, wenn ich sehe, dass ein Schiff beinahe ohne menschliches Zutun anlegen kann.

ZEIT: Und im Restaurant, wofür können Sie sich da besonders begeistern?

Cordalis: Ich probiere alle Fische auf der Speisekarte durch, Kabeljau, Dorade und so weiter. Am liebsten mag ich sie mit einer Sauce aus Olivenöl, Zitrone und Oregano übergossen – herrlich! Ich esse ja den ganzen Fisch, mit Kopf. Einmal habe ich einen bestellt, dem habe ich Kopf und Bäckchen so genießerisch abgeleckt, da haben mich zwei Herren vom Nebentisch gefragt, ob sie mir noch einen Fisch ausgeben dürften. Sie würden sich auch einen bestellen, weil ich ihnen so viel Appetit gemacht hätte.

ZEIT: Sie lieben nicht nur Fische, sondern auch das Meer – viele Ihrer Lieder handeln davon.

Cordalis: Ja, das Meer ist doch für uns alle wie ein Magnet und weckt Gefühle. Zeilen wie »Steig in das Boot heute Nacht, Anna-Lena«, die versteht jeder. Ich habe mal gelesen, dass die chemische Zusammensetzung von Meerwasser ähnlich ist wie die von Blut. Kein Wunder – angeblich stammen wir ja alle aus dem Meer. Und deshalb kehren wir im Urlaub auch gern dorthin zurück.