DIE ZEIT: Herr Zoller, Ihr Unternehmen steigt groß in den Markt für IT- und Internetsicherheit ein. Wie schützen Sie Ihr eigenes Smartphone?

Stefan Zoller: Es kommt vor, dass ich einen Anruf abrupt beende, um zu verhindern, dass Geschäftsgeheimnisse in das Datennetz gelangen. Dennoch erlebe ich es auch in meiner Firma, dass empfindliche Daten über die Smartphones per E-Mail, SMS oder durch die Anrufe selbst transportiert werden.

ZEIT: Warum zweifeln Sie an der Netzsicherheit?

Zoller: Das Internet ist eine offene, jedem zugängliche Veranstaltung. Ein Unternehmen muss deshalb analysieren, welche Daten nicht nach außen dringen dürfen. Jeder Staat sichert ja seine militärischen Daten, etwa durch Verschlüsselung. Da gibt es kein Pendant in der Wirtschaft, obwohl die Informationen noch vertraulicher sein können.

ZEIT: Wann haben Sie gemerkt, dass dieses Thema sogar lukrativ für einen Rüstungskonzern ist, der sonst Eurofighter und Lenkflugkörper baut?

Zoller: Wir passen uns den Bedrohungslagen unserer Kunden an. Früher standen Tausende Flieger und Atomraketen im Osten. Dann haben wir nach dem 11. September ein Jahrzehnt gesehen, in dem die Bedrohungslage eher in Richtung Terrorismus ging. Die größte heutige Gefahr für unsere Sicherheit sind Hackerattacken aus dem Internet.

ZEIT: Sie teilen die Einschätzung von FBI-Chef Robert Mueller, der Cyberattacken für gefährlicher hält als herkömmlichen Terrorismus?

Zoller: Ganz genau. Die Staaten reagieren darauf auch schon. Großbritannien investiert in den nächsten vier Jahren 650 Millionen Euro, andere Länder, auch Deutschland, ziehen nach.

ZEIT: Die Bundesregierung stützt Ihr Unternehmen mit Millionenzuschüssen für die Forschung. Was genau wird gefördert?

Zoller: Das Geld wird bei Cassidian für Grundlagenforschung mit Fokus auf die zivile Sicherheit eingesetzt. Dabei handelt es sich um Projekte im Bereich des zivilen Luftraums, aber auch im Bereich Krisenmanagement oder der Sicherung kritischer Infrastrukturen.

ZEIT:EADS will sich vom Staat lösen, heißt es stets auf Aktionärstreffen. Wie passt diese direkte Forschungshilfe dazu?

Zoller: Die wird vor allem zur Stärkung des Technologiestandortes Deutschland eingesetzt und hat nichts mit der Aktionärsstruktur zu tun.