In Gurk, dort, wo sich das Kärntnerland katholisch gibt, steht ein Denkmal, das an Jörg Haider erinnern soll. Die freiheitliche Kärntner Prominenz hat es vor nicht allzu langer Zeit enthüllt. Das Monument stellt Hände dar, die Hände schütteln. Haider als Vermittler – zwischen wem bloß? Zwischen Saddam Hussein und dem österreichischen Volk, dessen solidarische Grüße er in Bagdad einmal überbrachte? Oder sind es nicht doch Hände, die still und heimlich Geld einsteckten – Geld aus allen erdenklichen trüben Quellen? Dieses Denkmal muss unbedingt erhalten bleiben, versehen mit der Erläuterung: "So funktioniert Korruption."

Die Kameraden aus besseren Tagen würden mitten im Enthüllungsmarathon von Klagenfurt das Haider-Memorial indessen am liebsten verschwinden lassen. Heinz-Christian Strache, der Nachfolger an der freiheitlichen Parteispitze, entdeckt nunmehr, Haider sei "korrumpierbar" gewesen. Chefideologe Andreas Mölzer mahnt, auch in Kärnten müssten jetzt die politischen Irrlichter zu den Werten der Bewegung zurückfinden. Der frühere Justizminister Harald Ofner, während des liberalen Intermezzos unter Norbert Steger der Rechtsverbinder in der damaligen FPÖ, sieht heute in dem einstigen Idol vor allem eines: "Er war ein Zerstörer."

Späte Erkenntnis. Mit Ausnahme eines harten Kerns unerschütterlicher Verehrer im politischen Auslaufmodell BZÖ will niemand mit dem Freibeuterschiff, das im Strudel der Skandale versinkt, untergehen. Das Spiel ist aus, die Haiderei entlarvt.

Die vielen Metamorphosen des politischen Popstars werden sogar in den eigenen Reihen vorsichtig entsorgt. Haider, der modische Populist und grinsende Disco-Charmeur, soll möglichst vergessen gemacht werden. Der Mythos, der nach seinem Unfalltod erschaffen wurde, ist den meisten, die noch vor Kurzem daran mitgestrickt haben, plötzlich peinlich. Die Entlarvung eines Poseurs aus Österreichs Süden sollte allerdings zu der Frage führen, warum dieses Land einst dem klebrigen Charme eines immer wieder an den Neonazismus anstreifenden Opportunisten so leicht erlegen war.

Und erlegen war es ihm. In die Falle gingen aber nicht nur jene, die in Haider den Erlöser vom Übel der Proporzherrschaft sehen wollten und die nicht erkennen konnten oder wollten, dass hier ein Schmalspur-Zyniker mit besonderer Rücksichtslosigkeit zu eben den Töpfen drängte, deren Nutzung durch SPÖ und ÖVP er beständig anprangerte. Erlegen sind ihm alle, die im Besitzer eines arisierten Forstgutes einen Vorkämpfer für die Rechte des "kleinen Mannes" zu erkennen meinten. Ebenso erlagen ihm die "bürgerlichen Eliten", die hofften, sich mit seiner Hilfe für die Jahrzehnte sozialdemokratischer Bevormundung rächen zu können.

Erlegen waren ihm aber auch die Zeitgenossen, die in dem politischen Chamäleon einen formidablen Gegner sehen wollten. Sie unterstellten ihm genialische Züge und hielten ihn insgeheim für das größte politische Talent seit Bruno Kreisky. Seine angebliche Intelligenz, die viel eher Gerissenheit war, wurde verteufelt. Wahrscheinlich verlieh erst die Wucht der antifaschistischen Rhetorik dem politischen Quälgeist derart diabolische Züge. Haiders Erfolge sagen wenig über Haider selbst aus, aber viel über seine Gefolgsleute – und auch viel über seine Gegner. Anstatt sich über den Scharlatan gelegentlich lustig zu machen und seine großmäuligen Sprüche der Lächerlichkeit preiszugeben, wurde er von seinen Widersachern auf das Podest eines brandgefährlichen Bösewichts gehoben. Eine Posse, zu der immer wieder nur das Attribut provinziell passt.