Die Expo 02 ist vielen noch in guter Erinnerung. Eine Umfrage hat ergeben, dass sich die Besucherinnen und Besucher in naher Zukunft wieder eine Landesausstellung wünschten. Ich selber erinnere mich auch gerne an dieses Großereignis zurück. Als Kulturminister war ich im Kanton Zürich mit dem Finanzierungsbeitrag und verschiedenen Expo-Projekten befasst. Zusammen mit sieben anderen Kantonen realisierten wir das spannende Projekt "Grenzen (er)leben" auf der Arteplage in Biel.

Es wurde insgesamt eine verspielte, sinnliche Schweiz gezeigt. Die Arteplage Yverdon mit ihrer von Weitem sichtbaren Wolke hat das am besten zum Ausdruck gebracht. "Suche nach dem Ich" hieß das Motto. In "Le premier regard" ging es um Blicke und Gesten, die uns verzaubern, um das Geheimnis von Annäherung und Verführung. Und in der Ausstellung "Oui" fanden Menschen zueinander – wenn auch nur für einen Tag... Die Dreiseenlandschaft hatte sicher eine prägende Wirkung auf die Ausstellungen. Oder hätte man sich im Urnerland oder im Rheintal einen solch legeren Umgang mit Liebe und Leidenschaft vorstellen können? In Neuenburg war ein intelligenter Raum mit einem künstlichem Nervensystem, aber auch die Wirkung von Naturkräften zu erleben. Der Höhepunkt an Ironie war – für schweizerische Verhältnisse – der goldene Pavillon der Nationalbank, in dem Geldscheine geschreddert und zum Glücksspiel eingeladen wurde.

Aber was bleibt? Sicher hat sich die Ausstellungsregion in der ganzen Schweiz bekannt gemacht. Sie profitiert bis heute davon. Und die Schweiz hat sich in einer eher überraschenden, fast "unschweizerischen" Art präsentiert und damit ein Lebensgefühl zum Ausdruck gebracht, das, von den Städten ausgehend, seither zunehmend das ganze Land erreicht. In diesem Sinn war die Expo sicher ein Katalysator und für lange Zeit stilprägend.

Große Projekte haben ihre Wirkung nicht nur im Ergebnis, sondern noch mehr im Prozess der Entstehung. Das kennt man aus dem Berufs- oder Vereinsleben. Gemeinsame Zielsetzungen formulieren und erreichen, Widerstände überwinden, das schafft das Verbindende. Bei der Expo 02 war aber gerade diese Phase höchst unerfreulich. Anfänglich zaghaftes Engagement der Behörden, unrealistische Finanzierungspläne und dauernder Meckerei von allen und jedem. Erst kurz vor dem Misslingen wurde das Ruder herumgeworfen. Eine nächste Expo macht Sinn, wenn der Prozess im Mittelpunkt steht und das Einigende der gemeinsamen Anstrengung erkannt wird. Eine solche Expo braucht die Schweiz. Man sollte bald an die Vorbereitung gehen.