Brasilien: Beerenkräfte

Açaí ist eine Palmfrucht aus Amazonien , ausgesprochen »Assaí«, unausgesprochen die neueste und leckerste Verführung des brasilianischen Strandlebens. Das eisgekühlte Fruchtmus, bei Eisverkäufern im Becherchen zu kaufen, ist das Wiederbelebungsmittel der Wellenreiter, das Elixier der gesundheitsbewussten Volleyballspielerinnen – und geschmacklich die gefühlte Kombination von Rotwein und Schokolade, Suchtpotenzial entsprechend.

Bei den Bewohnern der Flussufer im Amazonasbecken stehen die kirschgroßen, weinroten Beeren der Kohlpalme schon lange auf dem Speisezettel. Sie mahlen das dünne, harte Fruchtfleisch vom Kern und machen daraus einen Brei, der als Gemüse zu Reis und Fisch gegessen wird.

Die meisten Flussanwohner sind Nachkommen von Kautschukzapfern, haben ein Auskommen als Viehzüchter – und holzen zu diesem Zweck leider immer mehr Regenwald ab. Doch das ändert sich allmählich, seit ein paar Wissenschaftler die vielen ungeahnten Eigenschaften der Açaí-Beeren entdeckt haben: In den Palmfrüchten stecken mehr Antioxidantien als in jedem Rostschutzmittel und dazu noch genügend Vitamine und Mineralien, um ein Rennpferd zu dopen.

Die Flussanwohner haben jetzt eine neue Einnahmequelle. Und die Stadtmenschen von Belém bis Porto Alegre ein wunderbares Mittel, um verlorene Energien zu ersetzen: Açaí, gesüßt mit Honig und Guarana-Sirup. Übrigens ist das Ganze nicht gerade kalorienarm. Aber für den Erhalt des Regenwalds sündigt man doch gern.