Ist damit die Debatte beendet? Keine Unterschriftenlisten mehr, keine Mahnrufe aus Übersee, weil die Berliner ihre grandiose Altmeistersammlung in weiten Teilen und über Jahre ins Depot sperren wollen? Aus einer verlässlichen Quelle ist zu vernehmen, dass eine Lösung gefunden sei. Nicht ins Depot, sondern in die großzügigen Räume des Martin-Gropius-Baus könnte die Sammlung mit ihren Werken etwa von Caravaggio (unser Bild) wandern, bis an der Museumsinsel ein neues Quartier herangewachsen ist. Das sind die Pläne, an denen der Kulturstaatsminister Bernd Neumann offenbar mit Hochdruck arbeitet. Er will sich zum Ende seiner Amtszeit nicht durch das blamable Agieren der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die glänzende Bilanz seiner Arbeit verhageln lassen.

Allerdings wird man weiterhin fragen müssen, warum die Gemäldegalerie überhaupt in ein Provisorium ausweichen muss. Braucht es den Umzug? Und wenn ja, warum wartet man nicht, bis der Neubau steht? Im Hintergrund drängeln offenbar die mächtigen Freunde der Neuen Nationalgalerie. Und auch der Sammler Pietzsch macht Druck, damit die Kunst des 20. Jahrhunderts möglichst bald in das bisherige Quartier der Gemäldegalerie zieht. Die grandiose Altmeistersammlung soll weichen, damit eine qualitativ eher durchwachsene Moderne-Sammlung an ihre Stelle treten kann. Das versteht man wohl nur in Berlin.

Eine Neuordnung sollte es werden, in Wahrheit aber droht eine Neuunordnung. Die Pläne der Stiftung erweisen sich in vielerlei Hinsicht als unausgegoren. Denn wenn nun die alte Kunst auf der Museumsinsel versammelt wird, müsste dann nicht auch das Kupferstichkabinett folgen? Und was ist mit dem ungeliebten Kunst- und Gewerbe? Für Arnold Bode, den die Staatlichen Museen zu ihrem Ahnherrn küren, gehörte es zwingend zu seiner Idee der Epochenräume dazu. Müsste diese Sammlung nicht also auch umziehen?

Noch eine offene Baustelle: das Museum Hamburger Bahnhof. Wenn dort weite Teile der Sammlung Marx fortziehen ans Kulturforum, hat dann die Sammlung Flick die riesigen Hallen ganz für sich allein? Und was wäre, wenn sich Flick schon bald zum Rückzug entschlösse? Keine dieser Fragen ist geklärt oder auch nur öffentlich diskutiert worden. Trotzdem fängt man einfach mal an, stolpert hinein in die selbst fabrizierte Neuunordnung. So macht man das wohl in Berlin. Nicht nur am neuen Flughafen.