"Hühnerbrust" spotten die einen, "Wird Werder bald mehr über die Flügel kommen?" andere, seit der Fußballverein Werder Bremen seinen neuen Trikotsponsor verkündete: Geflügelproduzent Wiesenhof. An die Geflügelmetaphern (Hühnerhaufen, abschlachten, ein Ei ins Netz legen, gerupfte/blinde Hühner...) wird Werder sich im Laufe der Saison gewöhnen. Der Schaden liegt abseits des Spotts: Massentierhalter Wiesenhof will mit Werder sein schlechtes Image aufbessern, das ist schon einigen Sponsoren gelungen, zum Beispiel Gazprom mit Schalke. Bei Werder werfen der Sponsor und überhaupt der ganze Deal schlechtes Licht auf den Verein und seine Führung. Vereinsmitglieder treten aus, im Netz haben sich mehr als 20.000 einer Facebook-Gruppe gegen den neuen Sponsor angeschlossen.

Der Protest wird sicher verebben, und seine moralische Argumentation kann schon auf den Rängen widerlegt werden, wo es den Fans ja auch egal ist, dass die Stadionwurst nicht bio ist. Solange Werder nicht für den Hamburger SV wirbt, werden die Fans auch keine Revolution anzetteln. Aber es wird deutlicher, dass die Maxime "Sponsoren bringen Geld, und Geld schießt Tore" an ihre Grenzen stößt. Wo diese Grenzen liegen, ist allerdings nicht genau definiert: Als auf der Werder-Brust noch Textildiscounter kik warb, der wegen seiner Produktionsbedingungen in der Kritik stand, war das kein Problem für die Fans, ebenso wenig wie die Targobank, die in Deutschland die meisten Lehman-Zertifikate verkauft hatte.

Doch es wird für die Vereine schwieriger, zu erkennen, wo die Grenze zwischen Glaubwürdigkeit und Kommerz verläuft. In Nürnberg gab es Widerstand gegen den Sponsor Aveva, einen Atomkonzern; in Leverkusen gegen den Stromanbieter Teldafax, der seine Kunden prellte. Eine Vereinsführung muss da sensibel sein, seine Fans kennen und vor allem gegensteuern können. Aber Werder Bremen hat sich der Vermarkterfirma, die den Sponsor sucht, praktisch ausgeliefert. Bei einem Veto gegen Wiesenhof hätte der Verein die garantierte Sponsor-Summe verloren. Dazu fehlte ihm der Mut. Jetzt redet er verdruckst den Deal schön, lobt das "Familienunternehmen" Wiesenhof, das "mehr zu bieten hat, als man denkt". Die Marke Wiesenhof freut sich. Die Marke Werder hat (Achtung, geflügeltes Wort!): Federn gelassen.