And the winner is ... Great Britain. Amerikaner (104) und Chinesen (87) haben in London zwar mehr Buntmetall eingefahren, aber die sind auch mehr. Gemessen an der Bevölkerung, sind die Briten das Spitzenteam. Sie haben ein Ehrenzeichen pro Million errungen. Die Deutschen brauchten für jede Medaille knapp zwei Millionen Menschen, die Amerikaner drei und die Chinesen 15.

Mithin glänzen die Briten bei der olympischen Erz-Ausbeute mit der höchsten Produktivität (das ist: Preise pro Athlet). Was beweist das im Wettlauf der Nationen? Erst einmal gar nichts. Wie viel Gold ein Land abschleppt, lässt keine Rückschlüsse auf seine Potenz zu. Unter den 50 produktivsten Ländern (Wirtschaftsleistung pro Arbeiter) ist Amerika nach Luxemburg die Nummer zwei. Großbritannien scheint erst auf Platz 21 auf, Deutschland, Sechster in London, landet auf Platz 16. China, der Sieger von 2008, taucht in dieser Liste gar nicht erst auf.

China soll bekanntlich in Kürze die Weltherrschaft übernehmen. Amerika, der Westen überhaupt seien von gestern. Der Medaillenspiegel gibt’s nicht her. USA und Europa (minus Weißrussland und Ukraine) haben fast viermal mehr als China abgeräumt; zählt man Ozeanien und Kanada mit dazu, steht es 385 zu 87. Und das bei ein paar Hundert Millionen weniger Menschen. So müde ist der Westen nicht geworden. Eine Milliarde Inder, ebenfalls als neue Supermacht gehandelt, haben gerade mal sechs Medaillen geschafft.

Man kann’s noch weiter fassen. Seit dem märchenhaften Aufstieg Chinas liebäugelt so mancher westliche Intellektuelle wie zu Stalins Zeiten mit der "autoritären Modernisierung". Die straff durchorganisierte Wirtschaft könne es besser als der krisengeplagte demokratische Kapitalismus. Die Historie belegt diese These nicht. Anfänglich läuft es prächtig. Aber zum Schluss hat die Geschichte die Sowjetunion vom Platz verwiesen. Japan, Taiwan, Südkorea – staatskapitalistische Aufsteiger – haben zwei, drei Jahrzehnte lang ebenfalls mit doppelstelligem Wachstum geprunkt. In Japan herrscht seit den Neunzigern Stagnation, die beiden anderen sind auf Normalmaß geschrumpft – auf drei oder vier Prozent.

Ob im Medaillenspiegel vielleicht doch mehr aufscheint als Buntmetall? Im Sport zeigt sich das Beste vom Westen: Vielfalt und Wettbewerb, und zwar weit entfernt von Markt- und Finanzmanipulation. Staat und Wirtschaft können Geld zuschießen, die Werbung winkt mit satten Verträgen, doch es hängt vom Einzelnen ab, ob er höher und weiter springt. Scharfe Auslese können auch die Autoritären betreiben, aber es fehlt die kreative Unordnung, die das Neue zeugt und das Alte verwirft. Partei und Potentaten lassen nicht wirklich "hundert Blumen blühen".

Das gilt im Sport, das gilt in der Wirtschaft, weshalb China und Russland so schnell kein iPad erfinden werden. Ein Russenkind hat sich Google ausgedacht, aber dazu mussten seine Eltern erst auswandern. Der Westen muss daheim nur dafür sorgen, dass auf dem Spielfeld dieselben Regeln für alle gelten. Außerdem macht’s im Westen mehr Spaß: London feierte eine globale Party voller Witz und Wärme, Peking 2008 sich selber.