Rein, natürlich, unverfälscht. So soll Essen sein. Und so war es vielleicht mal, aber das muss ewig her sein. Geblieben ist der Wunsch nach der guten alten Zeit, in der sicherlich alles so war, wie wir es uns heute erträumen.

Um angesichts von Tiefkühltruhen, Dosenobst und Mikrowellengerichten wenigstens noch die schöne Illusion zu erzeugen, haben sich Markenstrategen sinnfreie Formulierungen wie "100 Prozent Geschmack" einfallen lassen; sie prangen auf Gefrierkostpackungen, wurden aber auch auf Senfgläsern schon gesehen. Kunden sollen denken: 100 Prozent natürlich. Also null Prozent Inhaltsstoffe aus dem großen Zauberkasten der Lebensmittelchemie. Ebenso wie in der guten alten Zeit, in der noch niemand belogen wurde.

Gerade darin liegt die Täuschung. Wenn man etwas nicht behaupten kann, weil es heute einfach absolut unrealistisch ist ("rein und unverfälscht"), behauptet man einfach etwas, was beim Verbraucher ähnlich positive Gefühle auslöst ("100 Prozent Geschmack"), das aber bei näherem Hinsehen so unverfänglich ist, dass sich hinterher keiner beschweren kann, er sei angelogen worden.

Hochsuggestiv also, das Ganze. Denn "100 Prozent Geschmack" ist nie verkehrt. Deswegen kann man es immer irgendwo draufschreiben. Ein toter Hamster schmeckt hundertprozentig nach totem Hamster. Und würden Sie gebleichte Altreifen verspeisen, wie wäre das? Genau! Schmeckt nicht nach Möhren, nicht nach Kartoffeln, sondern eben nach gebleichten Altreifen. Das behaupte ich mal einfach, ausprobiert habe ich es noch nie.

Die Aussage ist also so wohlklingend wie nichtssagend. Es schmeckt halt, wie es schmeckt. Nach was, ist egal. Ob gut oder schlecht, auch. Was anderes wurde ja auch niemandem versprochen. Oder?