Es war ein geschichtsträchtiger, passender Ort, an dem die letzte Schach-WM zwischen dem indischen Titelverteidiger Viswanathan Anand und seinem israelischen Herausforderer Boris Gelfand stattfand. Am Eingang der Tretjakow-Galerie in Moskau empfingen den Besucher auf einem Poster überlebensgroße Brigadearbeiter beim Schachspielen (nach einem Gemälde von Viktor Popkow), drinnen konnte man auf einer Zeichnung des Malers Ilja Repin Leo Tolstoi beim Schachspiel zuschauen oder den Tod Iwans des Schrecklichen miterleben, der angeblich vergiftet wurde, in jedem Fall aber bei einer Partie gegen Boris Godunow tot zusammenbrach. Es ist überliefert, dass der erste Zar mit lebenden Schachfiguren um Tod oder Leben seiner Untertanen gespielt haben soll. "Schach ist grausam – du musst bereit sein, andere zu töten", meinte der Engländer Nigel Short vor seinem WM-Kampf 1993 gegen Kasparow, um dann postwendend in die Opferrolle zu schlüpfen. Anand und Gelfand denken in anderen Kategorien, und doch war nach dem 6:6-Gleichstand beim Tiebreak im Schnellschach eine ungeheure Spannung zu spüren – Anand: "I was playing with a gun to my head" –, 120 Millionen Inder sollen es live im Fernsehen verfolgt haben. In der entscheidenden zweiten Stichkampfpartie hatte Gelfand in Zeitnot als Schwarzer zuletzt fehlerhaft Tf7-f5 gezogen, wonach Anand mit Springerzügen zwangsläufig in ein theoretisch gewonnenes Turmendspiel überlenken konnte. Wie kam’s?

Lösung aus Nr. 33:

Welcher weiße Zug ließ die schwarze Dame verzweifeln? Nach 1.Df2! gab Schwarz schon auf, weil gegen 2.Ld3 mit Eroberung der Dame im Eck praktisch nichts auszurichten ist, z.B. 1...Sa6 2.Ld3 Sb4+ 3.Kd2 Sxd3 4.Kxd3 oder ebenso hoffnungslos 1...Sc6 2.dxc6 Dxc6 3.Lg2 Dd7 4.Sd5