Stellen Sie sich vor: Sie sitzen bei Günther Jauch und wissen alles. Sie gewinnen eine Million. Malen Sie sich nun aus, die Sendung ist jeden Tag, und Sie sind jedes Mal dabei. Sie kennen alle Antworten und gehen stets als Gewinner aus dem Studio. Das geht eine Woche so, einen Monat, ein ganzes Jahr. Ihre Glückssträhne bricht nicht ab, Sie machen weiter. Nach sechzehn Jahren und fünf Monaten reicht es Ihnen. Sie zählen Ihr Geld. Es sind dann sechs Milliarden Euro.

Eine kaum vorstellbare Summe, aber es gibt eine Handvoll Menschen in Deutschland, die so reich sind. Einer ist Stefan Quandt. Ihm gehören 104.747.120 BMW-Aktien. Er würde keine verkaufen, aber andere handeln, und so gibt es ständig einen Börsenpreis. Gegenwärtig werden für BMW -Aktien 59 Euro bezahlt. Demnach sind Quandts Papiere 6,2 Milliarden Euro wert – plus Aufschlag, weil es ein Paket von immerhin 17,4 Prozent ist.

Mit der Beteiligung an dem erfolgreichen Autohersteller , zu dem auch die Marken Mini und Rolls-Royce gehören, erzielt Quandt sensationell hohe Einkünfte. Im Mai flossen 241 Millionen Euro Dividende auf sein Konto. Zum Vergleich: Der Clan der Porsches und Piëchs kassierte 104 Millionen, die ganze Siemens-Sippe 165 Millionen Euro. In Deutschland gibt es keinen, der mehr Dividende einstreicht als der 46-Jährige. Unter den Superreichen dieses Landes ragt Stefan Quandt in diesem Sommer heraus.

»Ich habe keinen großen Geldspeicher wie Dagobert Duck«

Wenn man den Multimilliardär fragt, was er mit den Ausschüttungen anfängt, erfährt man wenig. »Wir verwenden das Geld, um das Vermögen zu stabilisieren«, sagte Quandt in seinem bislang einzigen Interview mit der ZEIT im vergangenen Jahr. Er lehnte es ab, nähere Auskunft zu seinen Verhältnissen zu geben. Nur so viel: »Ich habe keinen großen Geldspeicher wie Dagobert Duck

Damit umschrieb Quandt, dass er sich nicht in erster Linie als Reicher begreift, sondern als Unternehmer, dessen Geld nicht auf Konten und Depots liegt, sondern in Produktionen und Geschäften investiert ist.

Dadurch ist Quandt gerade zur großen Hoffnung der 440 Beschäftigten einer Solarfirma in Dresden geworden. Die Solarwatt AG ist infolge des Preisverfalls für Module in die Insolvenz gerutscht. Quandt, der an der Firma seit 1998 beteiligt ist, will sie retten. Er hat angeboten, fünf Millionen Euro neues Kapital einzuschießen und dazu noch ein Darlehen in gleicher Höhe zu geben. Die Gläubiger des Unternehmens, darunter auch Kleinanleger, müssten allerdings auf 84 Prozent ihrer Forderungen verzichten, was manchen zu viel erscheint. Die Entscheidung fällt am 11. September.

Stefan Quandt gehört zu den Stillen und Unscheinbaren dieser ohnehin wenig auffälligen Industriellendynastie. Seine Schwester Susanne Klatten geriet in die Schlagzeilen, als sie 2007 Opfer eines Sex-Erpressers wurde und sich zur Wehr setzte. Seine Mutter Johanna, 86 Jahre, ist so unbekannt geblieben, dass sie, gefragt, ob sie die Frau Quandt sei, immer noch oft mit ihrer Lieblingsantwort davonkommt: »Ach ja, schön wär’s!«