Geboren 1908, gestorben 1998, mit fast 90 Jahren, auf eigenen Wunsch. Die amerikanische Journalistin Martha Gellhorn war eine selbstbewusste, scharf blickende, stilsichere Frau. Dass sie ihre ersten Reportagen (wie so viele große amerikanische Autorinnen) bei Vogue schrieb, erscheint nur in der Alten Welt erstaunlich. Tochter aus einem bürgerlichen Haus. Die Mutter eine Suffragette, der Vater Arzt, die Roosevelts sind Freunde, es ist die Zeit der furchtbaren Kämpfe gegen den Faschismus, als Martha Gellhorn ihre Berufung entdeckt. Kriegsreportage. Zuerst Spanien, dann der Zweite Weltkrieg. Später Vietnam, Israel, natürlich Nicaragua und El Salvador, man kann dem Dörlemann-Verlag nicht genug danken, dass er Martha Gellhorn eine eigene Edition widmet und jetzt diesen Band publiziert: Reportagen 1937 bis 1987. Die besten Texte dieses Genres. Gellhorn schaut auf den Schrecken, ohne zu blinzeln, sie weiß alles über die Douglas AC-47, die Hughes-500-Helikopter, erklärt, wie weißer Phosphor wirkt, nie aber verliert sie aus den Augen, was das Schicksal der Menschen ist. "Hinter dem Stacheldraht und dem elektrischen Zaun saßen die Skelette in der Sonne", heißt es über ihren Besuch in Dachau (Mai 1945), der ein Wendepunkt ihres Lebens ist, dem viele Schrecken folgen. Kaum einer, der sie so klar, so ergreifend beschreibt wie sie.

Ach ja, sie war mit Hemingway verheiratet, 1940 bis 1945. Hätte sie selber nicht erwähnt.