"Der Lehrer ist blöd", sagt die Tochter. "Wir haben noch eine andere Tochter auf der Schule", sagt ihr Vater. Und Münch sagt: "Wir sollten kein Porzellan zerschlagen." In erster Linie gehe es jetzt um das Abitur und nicht darum, den Lehrer fertigzumachen. "Ich bin keiner, der vor Gericht große Reden schwingt", sagt Münch. Er ist kein Typ, der auf Krawall aus ist, auf Konfrontation. Er ist eher Diplomat, die leisen Töne liegen ihm mehr.

Zunächst soll die Schülerin ein Protokoll schreiben, den Ablauf der Prüfung, die Vorbereitung, das, was sie gesagt hat, und die Antworten des Lehrers. "Bitte möglichst detailliert und neutral", sagt Münch.

Es geht immer um viel, sehr viel. Auch das macht den Job spannend für Münch. Den Eltern, die zu ihm kommen, ist Bildung sehr wichtig. Dafür sind sie bereit, Geld auszugeben. Für eine Prüfung berechnet Münch ihnen im Schnitt 600 Euro, heute geht es um zwei Prüfungen, das macht 1200 Euro. Sein Honorar misst sich an der Frage: Wie viel Geld ist ein Abitur wert? "Streitwert" nennen das die Juristen. Der Wert für ein Abitur liegt bei 5000 Euro, nicht mehr als ein gebrauchter Kleinwagen. Münch geht kurz raus, seine Assistentin soll die Verträge fertig machen.

Gut die Hälfte der Fälle gewinnt Münch, versprechen kann er nichts. Manchmal, nicht sehr oft, lehnt er auch ein Mandat ab. Wenn er schon nach dem Vorgespräch weiß, dass es keine Chance gibt, den Fall zu gewinnen. "Manchmal überschätzen die Eltern auch meine Möglichkeiten", sagt er. Vielen Eltern falle es nicht leicht, zu akzeptieren, dass der Sohn oder die Tochter einfach nicht aufs Gymnasium gehört. Dann hört er Geschichten wie die von der Säge – und weiß, dass die Mutter vor allem eines möchte: ihren Sohn im Gymnasium sehen.

Aber diesmal hat er ein gutes Gefühl. Erst wird er Druck machen, der Schule die Verfahrensfehler erläutern und einen Ausgleich vorschlagen. Dafür setzt er sich mit Eltern, Lehrern und Schulamt an einen Tisch. Er weiß, wenn er gerufen wird, sind die Fronten schon sehr verhärtet. Ein bisschen fühlt er sich dann als Mittler, als Übersetzer zwischen den beiden Parteien: "Natürlich vertrete ich in erster Linie die Eltern, aber ich verstehe auch häufig die Situation der Lehrer." Oft hat er bei diesen Gesprächen Erfolg. Von seinen Fällen landet nur etwa jeder fünfte vor Gericht. Die wenigsten Lehrer und Schulen wollen so weit gehen.

Bei seinen Fällen geht es viel um Kompetenzen, ihre Überschreitungen und das Einhalten von rechtlichen Vorgaben: Darf der Direktor einen Schüler von der Schule verweisen, weil er auf der Toilette Feuer gelegt hat? Kann der Lehrer einen Schüler von der Klassenfahrt ausschließen, weil er sich vor der Schule geprügelt hat? Aber auch: Hatten bei der Klassenarbeit alle Schüler die gleichen Voraussetzungen? Lief die Verteilung der Grundschulplätze gerecht ab? Früher wäre niemals jemand auf die Idee gekommen, Noten juristisch anzufechten, sagt Münch, heute sei das anders: "Bei meinen Kindern würde ich zur Not auch klagen."

"Wenn’s nicht klappt, haben wir 1200 Euro aus dem Fenster geworfen", sagt der Vater und zuckt mit den Schultern. Münch kommt zurück und schiebt den Vertrag über den Tisch. 200 Euro kommen noch dazu, Mehrwertsteuer. Der Vater schluckt. Und unterschreibt.

Der Anwalt setzt sich jetzt an sein nächstes Projekt: Kita-Klagen. Von 2013 an sollen Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz haben. Gerade bastelt Münch an einer Homepage. Wenn die Regierung bei dem aktuellen Gesetz bleibt, wird auch das für ihn ein gutes Geschäft.