Was ist nur mit dieser Partei los? Was ist nur in ihre Strategen gefahren? Jahrelang haben sie mit ihren Radikalforderungen die anderen Parteien vor sich hergetrieben. Jahrelang bestimmten sie, was auf die politische Agenda kommt – und was eben nicht.

Doch in der Raumplanung, einem der emotionalsten Themen des Landes, macht die SVP, was sie den anderen Parteien jeweils genüsslich vorwirft: Sie betreibt Wischiwaschi-Politik.

Am vergangenen Montag verkündete Parteipräsident Toni Brunner, die SVP unterstütze das Referendum gegen das revidierte Raumplanungsgesetz. Knackige Propagandalosungen waren keine zu hören, stattdessen war von "Augenmaß" und "pragmatischen Lösungen" die Rede, von "Bedürfnissen möglichst aller Betroffenen", die befriedigt werden müssten, oder von "verfassungsmäßigen Kompetenzordnungen", die zu respektieren seien. Wieso liegt der SVP am Herzen, worum sich die Partei jeweils foutiert, wenn sie gegen Ausländer, Asylbewerber oder Sozialhilfebezüger wettert?

In der Raumplanung geht es um Interessen – und viel Geld. Gemeindepolitiker fürchten um ihre Macht, die sie an den Kanton und den Bund abtreten müssen. Bauunternehmer und Landbesitzer, oft wählen sie SVP, sehen den großen Reibach schwinden.

Doch die Basis der Partei hat genug von dieser Klientelpolitik. 48 Prozent der SVP-Anhänger sagten Ja zur Zweitwohnungsinitiative. Die Kulturlandinitiative wurde im Kanton Zürich angenommen, wo fast ein Drittel SVP wählt. Beide Vorlagen widersprechen dem Freiheitsideal, das die Partei vertritt. Und im SVP-Stammland Thurgau wurde eben die sogenannte Mehrwertabgabe eingeführt – wird eine Landparzelle durch Einzonungen wertvoller, gehen fortan 20 Prozent des Gewinns an den Staat.

Das alles ist aber kein Wunder. Die Sehnsucht nach der verlorenen heilen Welt steckt in der rechtskonservativen DNS. Die Landschaft zu bewahren ist den SVP-Wählern wichtiger als alles Ideologiegedöns.

Die Parteispitze scheint ratlos. Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass just jene Partei, welche die Verteidigung der Heimat zum Programm gemacht hat, beim Bewahren der heimischen Scholle ins argumentative Schlingern gerät. Ihr Positionspapier ist ein Sammelsurium widersprüchlicher Forderungen und Ideen. Sie will die Nutzungsziffern aller Grundstücke erhöhen oder aufheben – und wird damit Wildwuchs ernten. Sie will das Bauen außerhalb der Bauzonen erleichtern – und damit den Landfraß fördern. Sie will den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in den Agglomerationen nicht bevorzugen – und lässt ihre eigenen Wähler im Stau stehen.

Wäre das schlimm? Für die Schweiz schon, aber nicht für die SVP-Strategen. Denn Schuld an der Misere haben heute wie in Zukunft die anderen: die Zuwanderer.