Fünf Jahre Krise. Die Politiker sind müde. Die Bürger sind müde. Selbst die Journalisten sind es langsam leid. Oft haben sie das "Endspiel" beschrieben, doch die Krise geht ungeachtet der Überschriften einfach weiter.

Diese Müdigkeit ist ebenso verständlich wie gefährlich, weil sie zu dieser "Es muss doch mal Schluss sein"-Haltung führt. Soll der Draghi von der Zentralbank ruhig spanische und italienische Staatsanleihen kaufen. Hauptsache, es ist Ruhe.

Doch welche Ruhe wäre das? Wenn es schlecht läuft, die vor dem ganz großen Sturm. Und wenn es gut läuft, die vor der Inflation. Noch streitet man darüber, ob Mario Draghis Zentralbank einen niedrigen Zins für die Südländer garantieren will, indem sie alle Anleihen wegkauft, die eine bestimmte Schwelle überschreiten – oder ob sie einfach viele Papiere aufkaufen will, damit es irgendwie billiger wird für die Krisenstaaten.

Doch das ist im Grunde egal. Was hier geschehen soll, ist dies: Eine staatliche Institution, in dem Fall nicht ein Land, sondern die Europäische Zentralbank, erwirbt die Anleihen von Ländern, deren wirtschaftliches Schicksal auf der Kippe steht. Und sollten diese Papiere erheblich an Wert verlieren oder sollten die fraglichen Staaten – gottbewahre – sie nicht mehr bedienen können, dann zahlt dafür ... ja, wer? Genau, der Steuerzahler. Ihm gehört die Zentralbank letzten Endes, mitsamt ihren Gewinnen und Verlusten.

Nun könnte man ja sagen: Mit solchen Käufen verschafft Draghi den Spaniern und Italienern Zeit, um so stark zu werden, dass die Welt ihnen wieder vertraut. Dann behielten die Anleihen auch ihren Wert, und keiner hätte verloren.

Bloß gibt es da ein Problem: In dem Moment, in dem Draghi unbegrenzt kauft, nimmt in Rom und Madrid der Anreiz ab, weiter hart zu reformieren. Und hart heißt hier nicht nur, den Ärmeren noch etwas zu streichen, sondern den steuervermeidenden Reicheren endlich etwas wegzunehmen. Es heißt nicht bloß, den Arbeitern mehr Flexibilität und längere Lebensarbeitszeiten abzuringen, sondern quer durch die Gesellschaft auf Leistung zu setzen. Das ist schwer, schwerer noch als die Agenda 2010 in Deutschland. Wer das nicht muss, der macht es in der Regel nicht.

Hier liegt das Dilemma. Bevor Draghi kauft, müssten die Krisenländer sich glaubhaft zu einem Stabilitätsdenken verpflichten. Doch erstens wollen das viele politische Kräfte in diesen Ländern gar nicht, und zweitens würde es viel zu lange dauern, die Staaten entsprechend umzubauen.