Anleihe – das ist eine schöne Bezeichnung für ein Wertpapier. Es klingt irgendwie beruhigend, obwohl es etwas irreführend ist. Wenn es An-leihen gibt, müsste es ja auch Aus-leihen geben, oder? Der Begriff wäre passender. Ich leihe ja etwas aus: mein Geld.

Anfang Juli gab es ein paar gute Tage für Spekulationen mit Aktien, aber solche Momente sind selten, und oft erkennt man sie erst hinterher. Wer in normalen Zeiten etwas Geld anlegen will, denkt früher oder später über Anleihen nach. Ist ja auch nachvollziehbar, man hat mit festen Laufzeiten und festen Zinsen zu tun. Was aber verlässlicher klingt, als es ist.

Zugegeben, auch bei mir hat es gedauert, das Zusammenspiel von Kurs, Coupon und Rendite zu verstehen. Aber so schwierig ist das nicht. Obwohl Anleihen gleichwohl auch schlaflose Nächte bereiten können.

Zum Beispiel Staatsanleihen. Ein paar meiner Kollegen sind mit griechischen Schuldpapieren ja voll auf die Nase gefallen, das war hier zu lesen. Ich habe ein paar deutsche Staatsanleihen, aber die bringen inflationsbereinigt mehr oder weniger eine Nullrendite. Und dann passieren Dinge, mit denen niemand rechnen kann. Etwa als der Bund neulich beschloss, die Papiere für Privatanleger künftig nicht mehr kostenlos auszugeben und zu verwahren. Durch die Finanzagentur. Was für eine Sauerei, denn das staatliche Gratisdepot sorgte wenigstens für einen Rest an Attraktivität. Künftig wird sich die Bundesrepublik Deutschland ohne mich refinanzieren müssen.

Unternehmensanleihen sind da schon eine Alternative. Deren erstes Risiko ist der Kurs, der schon mal ins Minus gehen kann – dann muss man bis zum Ende der Laufzeit durchhalten können. Risiko Nummer zwei besteht darin, dass das ausgebende Unternehmen pleitegeht. Dann ist das Geld unter Umständen futsch. In der jüngeren Vergangenheit hat es wieder mehr und größere Firmenpleiten gegeben. Klingt gar nicht beruhigend. So bleibt die Hoffnung, dass mich wenigstens die klassischen deutschen Großunternehmen nicht hängen lassen werden.