Lieber Wladimir, hier ist Dein lieber Gerd, der Gerd Schröder aus Hannover. Ich wollte Dir nur sagen, dass Du jetzt ganz tapfer bleiben musst. Hör einfach weg, wenn die Angela Merkel an Dir rumnörgelt und so ’n politisch korrektes Zeug sagt wie: »Putins Prozess gegen Pussy Riot steht nicht im Einklang mit europäischen Werten«. Du weißt, dass wir Angela bei uns nur »Mutti« nennen. Die vorletzte Bundestagswahl hat sie bloß arithmetisch gewonnen, moralisch gesehen bin ich hier noch der Kanzler. Mein lieber Wladimir, für mich bist Du immer noch ein lupenreiner Demokrat, denn alle Demokratien brauchen einen starken Mann. Damals, als wir noch einen König hatten und deshalb auch keine Arbeiterklasse, wusste der Mensch, wo er hingehörte. Er hatte in der Gesellschaft seinen festen Platz. Heute denkt jeder, er sei selbst ein kleiner König. Deshalb will er ein Superstar werden und macht sich vor jedem Altar nackig. Wie bescheuert ist das denn? Unter uns: Dass Du diese hysterischen Weiber zwei Jahre aus dem Verkehr ziehst, finde ich ganz okay. In welches Lager steckst Du sie denn? Nach Ariisk in Sibirien? Super, das Kaff finde ich nicht mal auf Google Maps. Meine Doris sagt immer, dass die Pussy Riots sich nicht anständig anziehen können und man ihnen die Brigitte ins Lager schicken müsse, damit sie wüssten, was eine Frau heute so anhat, bevor sie sich auszieht. Übrigens hast Du völlig recht, wenn Du in Deinen Zeitungen schreiben lässt, das Pussy-Punk-Gejaule beleidige die tiefe russische Seele. So isses. Der ganze Firlefanz kommt aus dem Westen, wie mir der Sigmar Gabriel gesteckt hat, Du weißt schon, der nette Dicke, der kurz SPD-Popbeauftragter war und noch immer Kanzler werden will, obwohl er eine Kalaschnikow nicht von einer Wasserpistole unterscheiden kann. Ach, noch etwas: Meine Doris staunt gerade, dass sich die Pussy-Rowdys mit 120 Frauen einen Schlafraum teilen dürfen und deshalb nie einsam sind. Tagsüber können sie auf Staatskosten kochen lernen und sind bei der Arbeit viel an der frischen Luft. Der Tag beginnt um sechs Uhr draußen mit Abzählen, auch bei minus 29 Grad. Das härtet ab, und die Frauen kriegen im Winter keinen Schnupfen. Meine Doris fragt noch ganz lieb, warum die Damen viermal im Jahr von ihrem Lover Besuch kriegen dürfen, bis zu drei Tage am Stück, und das in einem separaten Raum, sogar nachts. Wenn das mal gut geht! Mein Lieber, ich muss schließen. Lass uns mal wieder einen sibirischen Bären plattmachen. Vielleicht in Ariisk? Tolles Revier. Da gibt’s Bären satt.