Ein Mann möchte mit seiner Freundin Schluss machen und schickt zwei Bekannte vor, die dann verkünden: »Wir haben ihr mitgeteilt, dass wir bei unseren Planungen für die Zukunft zunächst mal stärker auf Jüngere setzen wollen, sie aber nicht vollends abgeschrieben ist.« Subtext: Zum Heiraten bist du nix, aber gelegentliche Treffen sind schon noch drin, wenn die Jüngeren grad indisponiert sind.

So haben jedenfalls nach eigener Schilderung (nur natürlich mit männlichen Pronomen) die Co-Trainer von Jogi Löw im Auftrag des Bundestrainers Torhüter Tim Wiese beigebracht, dass er fortan nicht mehr für Deutschland spielen wird. Das ist irgendwie optimierungsfähig.

Jogi Löw hat schon ein paar Mal Schluss gemacht (Frings, Ballack ), gut hingekriegt hat er es nie so richtig. Dem Bundestrainer scheint das Talent zum Schlussmachen zu fehlen. Hier ein kleiner Leitfaden zum Nachspielen.

Aufstellung: Immer selber dabei sein. Kann zwar schiefgehen (Ballack, Frings), aber die Medien können einem nicht Feigheit vorwerfen (Wiese). Nur so hat man die Kontrolle über das Gesagte, auch wenn der andere sich später vollkommen anders an das Gesagte erinnert (Ballack).

Taktik: Nicht zu stark verteidigen oder angreifen. Auch dem Gegner Raum geben.

Spielort: Löw bevorzugt öffentliche Orte mit Gastronomie (Ballack: Trattoria, Frings: Parkhotel). Eine Recherche von Löws Scouts in einschlägigen Teenagerforen hätte sich gelohnt: »Trefft euch an einem Ort, wo ihr ungestört reden könnt. Eine öffentliche Szene sieht vielleicht im Fernsehen cool aus, im echten Leben ist sie das garantiert nicht.« Und: unbedingt vermeiden, dass der Restaurantname (Zum Adler, Wiese) als kleine, gemeine Spitze gewertet werden kann.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/Getty Images

Spieldauer: Nach der regulären Spielzeit sollte das Ergebnis feststehen. Eine monatelange Nachspielzeit (Ballack) wie auch vorzeitiger Abbruch (Frings stürmte nach zehn Minuten aus dem Hotel) ist für beide Seiten unbefriedigend. Nicht auf die Halbzeitpause hoffen. Löw sagte später, hätte er endgültig Schluss machen wollen, wäre er selbst zu Wiese gefahren. Eine »Beziehungspause« also, das schlimmste Foltermittel. Ach, liebe Scouts, noch einmal legen wir euch die Mädchenforen ans Herz: »Denk daran, dass du diesen Jungen einmal sehr gern gehabt hast. Auch wenn du ihn jetzt für einen Idioten hältst, hat er trotzdem Gefühle. Du musst ihm nur eines sagen: Ich bin in dieser Beziehung nicht mehr glücklich, ich möchte Schluss machen. Und dann tu genau das.«