Über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) räumt der Staat den Produzenten von grünem Strom zwei Privilegien ein: Erstens garantiert er den Absatz der grünen Energie. Zweitens legt er fest, dass die Produzenten einen festen, von den Stromverbrauchern zu zahlenden Cent-Betrag pro Kilowattstunde erhalten. Der Betrag liegt deutlich über dem Preis, der an der Strombörse in Leipzig gezahlt wird.

Die für zwanzig Jahre garantierten Preise unterscheiden sich nach Technologie, Standort und Größe der Anlage. Die Vergütung hängt obendrein von dem Zeitpunkt ab, an dem das Wind- oder Wasserkraftwerk, die Solar-, Biogas- oder Erdwärmeanlage in Betrieb genommen wurde. Solarstrom etwa wird höher vergütet als an Land erzeugter Windstrom, Solarstrom aus neuen (effizienteren) Anlagen allerdings schlechter als solcher aus alten Anlagen. Nachdem die Elektrizität vom Dach 2007 noch mit fast 50 Cent pro Kilowattstunde vergütet wurde, sind es jetzt nur noch knapp 19 Cent. Der Betreiber einer neuen Windkraftanlage erhält davon nur die Hälfte.

Strom paradox: Zwar wird Energie aus neuen grünen Anlagen mit der Zeit billiger, aber die durchschnittliche Vergütung ist auf rund 18 Cent gestiegen.

Warum das? Ein wichtiger Grund ist der Erfolg der Solaranlagen, die noch vor Kurzem extrem hohe Subventionen erhielten: Ihr Anteil an der gesamten grünen Strommenge ist von fünf Prozent im Jahr 2007 auf mehr als 20 Prozent gewachsen. Das hat die Sache nicht nur teuer gemacht. Die finanzielle Altlast lässt sich auch kaum noch beseitigen – es sei denn, der Staat kassierte die einst gemachte Zusage wieder ein, die Einspeisevergütungen für zwanzig Jahre zu garantieren.

Die Garantiepreise für grünen Strom summieren sich inzwischen zu zweistelligen Milliardensummen. Weniger Geld erzielt der Strom dann an der Börse, und übrig bleibt eine Differenz. Korrigiert um einige weitere Posten, betrug sie im vergangenen Jahr rund 13 Milliarden Euro. Diesen Betrag müssen die Stromverbraucher aufbringen, allerdings nicht zu gleichen Teilen.

Hätten alle gleich viel pro Kilowattstunde bezahlt, hätte die Umlage vergangenes Jahr rund 2,5 Cent betragen. Tatsächlich belief sie sich aber auf 3,53 Cent. Woher diese riesige Differenz, oder anders gesagt, wer zahlt nicht ? Tatsächlich werden vor allem industrielle Großverbraucher vom Gesetz privilegiert – angeblich um am Weltmarkt keinen Nachteil zu erleiden. Es sind mehrere Hundert Unternehmen, die davon profitieren.

Was diese Firmen sparen, müssen allerdings sämtliche anderen Verbraucher mitübernehmen: ganz normale Familien vor allem, aber auch öffentliche Einrichtungen und alle Betriebe, die nicht in den Genuss der Privilegien kommen. Laut Regierungsangaben müssen sie mehr als zwei Milliarden Euro zusätzlich schultern.