Nun werden also auch Bestseller zur virtuellen Bastelware: www.fiftyshadesgenerator.com nennt sich die amerikanische Website, die "Weltklasseliteratur" – gemeint ist E. L. James’ Shades of Grey – jetzt automatisiert reproduzieren und für jeden nutzbar machen will. Jedes noch so langweilige Werk, wirbt die Plattform euphorisch, könne durch wenige Mausklicks mit ein paar Sexhappen aufgepeppt werden.

Und so geht’s: Per Zufallsgenerator wird binnen Sekunden aus einem Pool an verruchten Vokabeln, Metaphern und Textschablonen eine pornografische Szene zusammengesetzt. Jeder darf sie verwenden, jeder darf via Twitter mitschreiben – der Bestseller im Stil des Sado-Maso-Pornos Shades of Grey als Patchworkarbeit, als Collage aus zerschnippelten Zitaten. Eine schöne Idee. Allein: Dieser Roman hat keinen Stil. Und damit gibt es im Falle seiner kreativen Weiterdichtung auch nur eine Richtung: noch weiter abwärts. Was sich auf der für alle werdenden Autoren offenen Seite abbildet, ist eine Art virtuelles Brainstorming im Unterirdischen, die das Original – und das ist wahrlich eine Leistung – noch weit unterbietet. Wild wabern die Metaphern für menschliche Fortpflanzungsorgane und deren Funktionen durcheinander, mal wird der erbarmungslose "love lollipop" ausgepackt, mal werden Ströme von "Viagra Falls" abgesondert.

Und falls bei dem Ganzen auf einmal doch der nächste große Bestseller rauskommt? "Dann teilen wir 50/50, ja?", versuchen die Macher der Seite schon jetzt weise im Voraus ihren Anteil am Kunstwerk zu sichern.