In einer Auktion mitsteigern – das trauen sich die meisten Menschen nur via Internet bei eBay. Viel zu hoch ist offensichtlich noch immer die Hemmschwelle, in ein traditionelles Auktionshaus zu gehen, sich dort eine Bieternummer und einen Katalog aushändigen zu lassen und dann für die aufgerufenen Lose Gebote abzugeben. Dabei sind Auktionshäuser keine exklusiven Klubs für Millionäre, Aristokraten und Exzentriker mit weißem Schal, das Angebot auf dem Kunstmarkt ist viel breiter, als es die üblichen Meldungen in den Zeitungen vermuten lassen. Nicht alle Lose kosten so viel wie die chinesische Vase mit dem neuen Weltrekordpreis, und das Gros des auktionierten Angebots verlangt wahrlich keinen besonders avancierten oder abseitigen Geschmack. Auch der Durchschnittsverdiener kann sich also eine schöne Einrichtung zusammensteigern, etwa beim Auktionscontor Frank Peege in Freiburg, bei Leo Spik in Berlin oder bei Wendl im thüringischen Rudolstadt. Er kann dort für ein paar Hundert Euro einen ganzen Hausstand erwerben oder aber für weniger als hundert Euro den dringend benötigten Zeitungsständer kaufen. Man muss noch nicht einmal viel Zeit investieren, bei den Auktionen herrscht keine Anwesenheitspflicht, der interessierte Neukunde kann womöglich sogar per Telefon oder Internet mitsteigern, bestimmt aber vor der Auktion ein schriftliches Höchstgebot abgeben. Mit ein wenig Glück interessiert sich dann während der Veranstaltung niemand anders für das Objekt der Begierde, der Preis für den Zeitungsständer bleibt niedrig, und man selbst ist der glückliche Höchstbietende. Wenn nötig, vermittelt das Auktionshaus dann gern noch den Versand, so einfach ist das.

Statt zu Ikea zu fahren, konnte man sich also vom 23. bis 25.8. zum Beispiel an den 67. Auktionen des Hauses Mehlis im sächsischen Plauen beteiligen. Das 1996 von einem ehemaligen Mathematiklehrer gegründete Haus ist auf Jugendstil spezialisiert, bietet aber auch eine sehr breite Auswahl an Möbeln, Schmuck und Kunst vom Barock bis in die Gegenwart. Blättert man durch den gedruckten Katalog (oder scrollt sich unter mehlis.eu durchs Angebot), so findet man zahlreiche Objekte, deren Mindestpreis – das nicht mit dem Schätzpreis zu verwechselnde Limit – bei unter 300 Euro liegen. Diese Möbel entsprechen vielleicht nicht ganz den Vorlieben eingefleischter Sammler, weisen Alters- und Gebrauchsspuren auf, ihre Funktion erfüllen sie jedoch allemal.

Da ist etwa diese wunderschön schlichte Biedermeier-Kommode, Eichenfurnier auf Nadelholz mit ebonisierten Zierleisten und Originalschlössern (inklusive Schlüssel), laut Auktionshaus aus der Zeit um 1820, mit dem Limit 200 Euro. Sie passt wunderbar zum halbrunden Demi-Lune-Tisch aus Nussbaum mit klappbarer Platte und Hilfsbein, der vom Auktionshaus auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts datiert und als gebrauchsfähig bezeichnet wird. Für diesen Tisch liegt der Limitpreis sogar bei null Euro.

Einen leinenbespannten Überseekoffer der Firma Mädler aus den zwanziger Jahren mit Kleiderbügeln und Schubkästen (allerdings ohne den passenden Schlüssel) wird der Auktionator mit 80 Euro aufrufen. Das Monstrum ist etwas unhandlich für Reisen im Easyjet-Zeitalter, macht sich aber als Minischrank in einer Studentenwohnung sicher gut. Für seine Bücher und Kataloge kann man – statt noch ein Billy-Regal zu kaufen – auf einen Systemschrank aus massiver Eiche bieten (Limit null Euro). Ebenfalls ab null Euro finden sich im Katalog auch eine Garderobe mit verchromtem Stahlrohrgestell, ein Sektkühler mit Bakelit-Griffen, eine Deckenlampe aus den dreißiger Jahren sowie ein Teewagen aus den Sechzigern. Bestuhlen könnte man seinen Esstisch je nach Geschmack mit drei Stahlrohrstühlen (Limit 120 Euro), deren Gestell irgendwann jemand weiß lackiert hat, oder mit vier gebrauchten Klappstühlen nach einem Entwurf von Egon Eiermann (Limit 150 Euro). Für einen circa hundert Jahre alten Schaukelstuhl der Marke Thonet, dessen Geflecht erneuert wurde, liegt das Limit bei 150 Euro. Beim Auktionshaus Dannenberg in Berlin wurde im Juni ein ähnlicher Thonet-Stuhl für 260 Euro zugeschlagen, beim Auktionshaus Günther in Dresden ein weiteres Exemplar für nur 80 Euro. Zum Vergleich: Der Schaukelstuhl mit dem zweifelhaften Namen Poäng kostet bei Ikea 229 Euro.

Beachten muss man als Neukunde auf dem Kunstmarkt, dass auf den sogenannten Hammerpreis nach der Versteigerung immer noch das Aufgeld des Auktionshauses addiert wird. Bei Mehlis sind das zwanzig Prozent des Gebotbetrags zuzüglich der Mehrwertsteuer auf dieses Aufgeld. Gefällt der Systemschrank oder der Thonet-Schaukelstuhl irgendwann nicht mehr, dann braucht man nicht auf den nächsten Flohmarkt zu warten. Man trägt das gute Stück einfach ins nächste Auktionshaus.