Besucher der Landesausstellung "Otto der Große und das Römische Reich" im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg© Jens Wolf/dpa

Otto der Große und die ottonischen Kaiser – das ist für Magdeburgs Kulturhistorisches Museum zum Programm geworden. Seit gut zehn Jahren lässt es in seinem wohlrestaurierten historistischen Prachtbau die Welt der mittelalterlichen Herrscher, denen Magdeburg seine Gründung und erste Glanzzeit verdankt, wieder lebendig werden. Im Jahr 2001 ging es um Otto den Großen, Magdeburg und Europa, 2006 um Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation – zwei auch wissenschaftlich viel beachtete Großausstellungen, die zu wahren Publikumsrennern wurden.

Jetzt folgt der Trilogie letzter Teil, die Landesausstellung Sachsen-Anhalts aus Anlass des 1.100. Geburtstags des Ottonen: Otto der Große und das Römische Reich . Sie nimmt das »Kaisertum von der Antike zum Mittelalter« in den Blick. Diesmal geht es gleichsam um die Vergangenheit der Vergangenheit, um die historische Dimension des mittelalterlichen Kaisertums, um die Rückbesinnung auf die antike römische Herrschaft seit den Tagen des Augustus. Es gilt zu klären, warum und wie sich das berühmte Geburtstagskind als »Imperator Augustus« in dieser Tradition inszenierte.

Und so empfängt den Besucher denn auch gleich eine antike Figur: die kolossale und frisch restaurierte Sitzstatue eines römischen Kaisers aus dem 1. Jahrhundert (vermutlich handelt es sich um Claudius, dem allerdings – Ruhm war immer schon vergänglich – in der Neuzeit der Kopf Trajans aufgesetzt wurde). Mit seiner zum Gruß erhobenen Hand weist er den Weg in die Ausstellung. Sie hat sich dem ambitionierten Vorhaben verschrieben, einen Zeitraum von rund 1.000 Jahren erzählerisch zu fassen. Streng chronologisch stellt das Team um Museumsdirektor Matthias Puhle und Projektleiterin Gabriele Köster in fünf Etappen die Genese der kaiserlichen Herrschaft dar, ihre jeweilige Weiterentwicklung und Adaption. Erzählt werden soll nicht weniger als eine Ideengeschichte des europäischen Kaisertums.

Es beginnt mit Augustus und den Anfängen in der römischen Antike , mit der Etablierung eines neuen Titels. Im Jahr 27 vor Christus entschied sich Octavian, der Adoptivsohn und ehrgeizige politische Erbe Cäsars, für den Namen »Augustus«: »Erhaben, heilig« sollte jetzt auch der Herrscher sein, ein Attribut, das bislang Göttern und sakralen Orten vorbehalten war. Augustus schickte sich an, die Welt neu zu ordnen – und er sollte ein ganzes Zeitalter prägen. Nach seinem Tod galt er in vieler Hinsicht als bewundernswertes Vorbild, seine Nachfolger orientierten sich an seiner Form der Autokratie und formten über drei Jahrhunderte hinweg die römische Kaiserherrschaft weiter aus.

Im 4. Jahrhundert entstand indes im Osten des Reichs unter Konstantin dem Großen ein weiteres Machtzentrum, das die Magdeburger Ausstellung im zweiten Kapitel beschreibt. In diesem bald christlich geprägten Kaisertum verstanden und inszenierten sich die Kaiser fortan auch als Stellvertreter Gottes auf Erden. Das unmittelbar daraus hervorgehende Byzanz wird dann im dritten Ausstellungskapitel als »Kontinuität des römischen Kaisertums im Osten« nach dem Ende des weströmischen Kaisertums präsentiert. Jetzt beanspruchten die oströmischen Herrscher von Konstantinopel aus die Hoheit über das gesamte römische Imperium.

Bei der Beschreibung dieser Zeit, vor allem der neuen Phase des kulturellen Aufschwungs in Kunst, Literatur und Wissenschaft im 9. und 10. Jahrhundert, schwelgt die Ausstellung geradezu in kostbaren Exponaten. Wundervolle Stücke sind darunter, wie zum Beispiel eine kleine Votivkrone aus dem Domschatz von San Marco in Venedig, gold- und silberglänzend, mit Emaillebildnissen der Apostel, ergänzt um eine Marienstatue in einem schimmernden Bergkristall. Aber auch eher unscheinbare Schätze lassen staunen, wie eine originelle Handschrift zur Pferdeheilkunde aus dem Besitz Kaiser Konstantins VII., die im 10. Jahrhundert entstand.