Als Milchkäufer bin ich nicht markentreu. Ich kaufe mal dies und mal das, weil ich keinen Unterschied rausschmecke. In meinem Hamburger Supermarkt erstand ich daher neulich einige Tetrapaks, auf denen "Weidemilch" und "regional" zu lesen war.

Den Stempeln zufolge war die Milch tatsächlich zuletzt in Niedersachsen bearbeitet worden. Auf den weitaus aufwendiger gestalteten Verpackungen allerdings sah man grasende Kühe auf einer Alm, dahinter eine Art Hochgebirge.

Soweit ich weiß, gibt es in Niedersachsen keine Almen. Entweder muss also der Stempel, das Bild oder der Ausdruck "regional" falsch sein. Oder alles zusammen. Dass Lebensmittelverpackungen mit dem Inhalt oft nicht viel zu tun haben, ist ja kein Geheimnis. Die Universität Göttingen und die Unternehmensberatung Agrifood Consult haben nun im Auftrag der Verbraucherzentralen sehr schön untersucht, ob sich Konsumenten von Lebensmittelherstellern getäuscht fühlen. Die Antwort: Sie tun es, aber gewaltig! Meine in Hamburg gekaufte, in Niedersachsen produzierte und Alpenidylle heuchelnde Milch scheint ein Multiregionenprodukt zu sein. Oder aber eine Lüge.

Hoffentlich stimmt wenigstens die Sache mit der Weide. Eigentlich sollte es ja eine Selbstverständlichkeit sein, dass Milchkühe wenigstens ab und an auf die Weide dürfen, um dort zu tun, was Kühe eben so tun. Wiederkäuen zum Beispiel. Statt ihre Existenz in Stallungen zu verbringen.

Bei Zigaretten diskutiert man derzeit, ob Bilder von realen Raucherlungen auf die Packungen gedruckt werden sollen. Wie wäre es mit dem Foto eines echten Stalls auf der Milchtüte? Schlimm, was? Aber viel schlimmer ist die Erkenntnis, dass eine Kuh auf der Weide heute offenbar etwas so Besonderes darstellt, dass man damit werben kann.