Klicken Sie auf das Bild, um zur Fotostrecke zu gelangen. © Reto Caduff

Ich habe Sommersprossen. Auf meiner Nase, meinen Wangen, meinen Schultern, meinen Armen und Händen und auf meinen Knien. Sie tauchten zuerst auf meiner Nase auf und haben sich von dort langsam über meinen ganzen Körper ausgebreitet. Ich habe sie wohl von meinem rothaarigen Vater geerbt, der früher total von Sommersprossen bedeckt war. Wenn ich meinen Vater nach seinen Sommersprossen frage, sagt er vage Dinge wie: "Man sollte nicht zu viele davon haben." Als kleiner Junge wurde er wegen seiner Sommersprossen gehänselt. Die anderen Jungs fragten ihn, ob er Schnupftabak gegen den Wind gespuckt habe und solche Dinge.

Ich habe mal die Worte "Freckles are...", also "Sommersprossen sind...", bei Google eingetippt. Google fängt dann an, das Wort zu ergänzen, nach dem man höchstwahrscheinlich sucht, sodass man es selbst nicht mehr ausschreiben muss, und in diesem Fall war der Ergänzungsvorschlag "...hässlich": "Sommersprossen sind hässlich". Ich weiß natürlich nicht genau, wie das Programm funktioniert und ob es uns wirklich viel darüber sagt, wie die Menschheit über Sommersprossen denkt, aber ich war jedenfalls überrascht, diesen Satz zu lesen.

Als Kind hätte ich mich darüber nicht gewundert. Ich hasste meine Sommersprossen und fand es schrecklich, mitansehen zu müssen, wie sie sich vermehrten und ausbreiteten. Ich weiß noch, wie ich sie das erste Mal auf meinen Schultern entdeckte und wie hilflos und hässlich ich mich fühlte. Ich hasste auch meine blasse Haut, und ein paar Sommer lang versuchte ich alles, um etwas Farbe zu bekommen. Das Ergebnis war ein Sonnenbrand – und noch mehr Sommersprossen. Mal ganz abgesehen von den Schmerzen: Es war ein Kampf, den ich nicht gewinnen konnte. Irgendwann zog ich mich in den Schatten zurück, wo ich mich, wenn die Sonne scheint, bis heute verstecke.

Mit 16 schickte mich meine schwedische Modelagentur nach Mailand. Plötzlich waren meine Sommersprossen und ein paar weitere Eigenschaften, die mir nie so richtig gefallen hatten, mein wichtigstes Kapital. Ich konnte nicht genug Sommersprossen haben. Die Make-up-Leute betonten sie sogar noch, ich erinnere mich gut an einen Job für die russische Vogue, bei dem der Visagist mein Gesicht komplett mit brauner Farbe besprenkelt hat. Ich sah so aus, als hätte ich Schnupftabak gegen den Wind gespuckt.

Ich erinnere mich auch an den Vertrag, den ich für einen Job in Tokio unterschreiben musste. Ich verpflichtete mich, auf keinen Fall braun zu werden – meine weiße Haut wurde also plötzlich ebenfalls geschätzt. Keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist, aber auf jeden Fall bin ich jetzt an einem Punkt, an dem ich Frieden mit meinem Körper gemacht habe, mit all seinen Flecken. Ich bin froh, dass ich einen Körper habe, der gesund ist. Und, wenn ich das als Betroffene so sagen darf, ich finde auch, dass Sommersprossen etwas Wunderschönes sind. Im Winter verblassen sie, aber es ist schön, zu sehen, wie sie jeden Sommer zurückkommen. Was die Sommersprossen meines Vaters betrifft: In seinem Gesicht sind sie verschwunden – vielleicht weil sie jeden Teil der Haut bedeckt haben oder weil sie mit dem Alter blasser geworden sind. Ich hoffe jedenfalls, ich kann meine so lange wie möglich behalten.